Historisches Sachsen
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Dieser Tagesausflug ist etwas für Freunde großer Garten- und Parkanlagen. Besonders in der Blütezeit zieht es Liebhaber aus allen Landesteilen in die Parkanlagen von Kromlau und Bad Muskau.
Für den Besuch der Parkanlagen ist es sinnvoll, den PKW in Weißwasser stehen zu lassen. Beide Orte sind mit der Waldeisenbahn, einer Schmalspurbahn von etwa 11 Kilometern Länge aus dem Jahre 1895, zu erreichen. Ihre zentrale Abfahrtsstelle in der Teichstraße ist an der B 156 in Richtung Bad Muskau gut ausgeschildert. Ein kostenfreier Parkplatz ist vorhanden.
Reiche Bodenschätze begünstigten am Ende des 19. Jahrhunderts den industriellen Aufschwung in der Muskauer Landschaft. Für die Bewältigung der stetig steigenden Transportaufgaben musste ein neues Verkehrsmittel her. So ließ der damalige Besitzer der Standesherrschaft Muskau, Herrmann Graf von Arnim, ab 1895 seine zahlreichen Betriebe mit einer schmalspurigen Güterbahn verbinden. Bald erreichte die "Gräflich von Arnimsche Kleinbahn" eine Ausdehnung von 80 Kilometern. Doch mit dem weiteren Ausbau des Güterkraftverkehrs kam es 1978 zur Betriebseinstellung und dem Rückbau der Gleisanlagen. Nur eine 12 Kilometer lange Reststrecke blieb für die Ziegelei in Weißwasser erhalten. Diese bildete den Grundstock für den ab 1991 begonnenen Wiederaufbau von Streckenabschnitten. Ab 1992 begann der reguläre Zugverkehr nach Kromlau; seit 1995 fahren die Züge auch wieder nach Bad Muskau.
Die Fahrt von Weißwasser nach Kromlau dauert nur 20 Minuten. Unterwegs rollen die Züge durch eine für die Oberlausitz typische Landschaft mit von Wasser gefüllten Tagebaurestlöchern. Unmittelbar am Endpunkt der Waldeisenbahn führt eine schmale Straße zum Kavalierhaus, dem ersten Anlaufpunkt.

Rhododendronpark Kromlau


Der fast 200 Hektar große Park von Kromlau zeigt sich zur Azaleen- und Rhododendrenblüte in großartiger Farbenpracht. Angeregt durch die Schöpfungen des berühmten Fürsten von Pückler-Muskau ließ der bürgerliche Friedrich Hermann Rötschke ab 1844 die Hälfte seines Landbesitzes zur heute prachtvollen Parkanlage gestalten, in der viele fremdländische Gehölze wachsen. Teiche wurden angelegt und Hügel aufgeschüttet. Seltene Baumarten hielten ebenso Einzug wie Sandsteinfiguren. Das Kavalierhaus von 1850 im Schweizer Landhausstil bringt den Wunsch nach ländlicher Idylle zum Ausdruck. Seine beiden Giebelseiten sind mit Figuren geschmückt, die in Wandnischen stehen. Große Wandgemälde, wohl vom Maler Eduard Bendemann, bereichern die Längsseiten. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, gleicht das Schloss eher einem ländlichen Jagdhaus. Das schlichte, einstöckige Gebäude mit Mansardenwalmdach stammt im Kern aus dem 18. Jahrhundert. Auf beiden Seiten ist ein zweigeschossiger Mittelrisalit mit einfachem Dreiecksgiebel zu sehen. 1845 ließ Rötschke den achteckigen Treppenturm anfügen.
1875 gab Friedrich Hermann Rötschke sein Anwesen auf. Nach mehrfachen Besitzerwechseln erwarb 1889 schließlich Friedrich XI. Leopold Graf von und zu Egloffstein-Arklitten das Anwesen und ließ zahlreiche Rhododendren anpflanzen, die heute maßgeblich den Charakter des Parks bestimmen. 1945 verlor die Familie ihren Besitz.
Während des 2. Weltkrieges und danach verkam der Park, zahlreiche Putten gingen verloren, große Flächen wurden abgeholzt. Die restlichen Parkteile verwilderten, bis schließlich in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Pflege- und Rekonstruktionsmaßnahmen begannen und der Park wieder hergerichtet wurde. Dank der Unterstützung von Sponsoren konnten zum 150jährigen Parkjubiläum im Jahre 1994 auch wieder 11 Skulpturen aufgestellt werden.
Sehenswert sind das Kavalierhaus von 1850 und die Rakotzbrücke (Teufelsbrücke), die den 35 m breiten Rakotzsee überspannt. Die Rakotzbrücke wurde in zehnjähriger Bauzeit mit vornehmlich aus der Sächsischen Schweiz herbeigeschafften Steinen errichtet.
In südlicher Richtung führt der Weg vorbei am kleinen Seerosenteich zur Eichenhöhe, von der sich ein schöner Rundblick eröffnet.
Beim Parkeingang nahe des Kavalierhauses liegt ein Findling mit einer Gedenktafel, die den Schöpfer des Parks, Friedrich Hermann Rötschke, ehrt.

Vom Rhododendronpark in Kromlau begeben wir uns wieder zurück zur Waldeisenbahn und fahren im großen Bogen über Weißwasser in etwa einer Stunde in das sieben Kilometer entfernte Bad Muskau. Vom Haltepunkt der Waldeisenbahn sind es etwa 20 Minuten Fußweg bis zum Fürst-Pückler-Park.

Fürst-Pückler-Park Bad Muskau


Der Bad Muskauer Park ist ein von Menschenhand geschaffenes Kunstwerk. Er soll Deutschlands schönster Park im englischen Landschaftsstil sein. Die Neiße, die den berühmten Park zerschneidet, bildet die Staatsgrenze zur Republik Polen.
Muskau wurde noch in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges zu 70 % zerstört und verlor 1945, als die Neiße deutsch - polnische Grenze wurde, seine Stadtteile und Besitzungen auf der Ostseite des Flusses. Der kleine Ort Bad Muskau wurde erstmals 1253 urkundlich erwähnt und erhielt 1452 sein Stadtrecht. Der Name „Muskau“ ist wahrscheinlich vom sorbischen Wort "Muzak" - wilder Mann - abgeleitet.
Nach vielen Besitz- und Herrschaftswechseln geriet Bad Muskau 1785 an die Grafen von Pückler. Die bedeutendste Persönlichkeit aus dem Hause Pückler war Hermann von Pückler (1785-1871), der 1811 die Standesherrschaft erbte. Pückler galt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. 1817 heiratete er eine Tochter des preußischen Kanzlers von Hardenberg. Seit 1822 war er preußischer Fürst. Auf Grund seiner liberalen und antikirchlichen Anschauungen kritisierte ihn der damalige konservative Adel heftig. Nachdem Pückler 1845 wegen seiner hohen Verschuldung durch einen extravaganten Lebensstils die Standesherrschaft verkaufen musste, zog er sich auf das Schloss seines Großvaters in Branitz bei Cottbus zurück.
Berühmtheit erlangte der Ort insbesondere durch den großzügig gestalteten Park, den der Reiseschriftsteller und Gartenkünstler Hermann Fürst von Pückler-Muskau in den Jahren 1815-45 anlegen ließ. Neben Peter Joseph Lenné, der am preußischen Königshof wirkte, übertrug Pückler die Ideen des englischen Landschaftsparks, die er auf seinen Reisen kennen gelernt hatte: Die Architektur soll sich in die Landschaft einfügen, die Gestaltung soll der natürlichen Gegebenheit folgen. Für Pückler war ein Garten um so schöner, je mehr er vergessen ließ, dass er von Menschen gestaltete Natur ist. Die vorhandenen natürlichen Gegebenheiten nutzend, gestaltete Pückler eine Parklandschaft, die sich auf einer Fläche von ca. 550 Hektar beiderseits der Neiße ausdehnte.
Den Park in der Neißeaue baute der Gartenbauarchitekt C. E. Petzold, ein Schüler Pücklers, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Sinne seines Lehrmeisters weiter aus. Der 2. Weltkrieg teilte jedoch den Muskauer Park: der sich östlich der Neiße erstreckende größere Teil gehört heute zu Polen; in Deutschland verblieb ein kleinerer Teil. Während der polnische Teil den Status eines Naturschutzgebietes bekam, in dem nichts verändert werden darf, wurde der deutsche Teil zum Gartendenkmal erklärt und im Sinne von Fürst Pückler gepflegt und erhalten. Seit 2003 sind mit dem Aufbau der Doppelbrücke wieder beide Teile miteinander verbunden.
Der Park begeistert durch seine beeindruckenden Fernsichten und großen Parkwiesen, seinen alten Baumbestand und den lebendigen Wasserläufen, in denen sich die Gebäude des Alten und Neuen Schlosses wiederspiegeln.
Rund 27 Kilometer Wanderwege führen Spaziergänger durch eine weiträumige Landschaft mit bis zu 200 Jahren alten Platanen, Rotbuchen, Linden und anderen Laubbäumen. Einen besonders schönen Blick in die Weite des Parks hat man von der Karpfenbrücke.
Die Parkanlage steht auf der Denkmalliste der UNESCO.
In der Parkanlage auf deutscher Seite verdienen das Alte Schloss aus dem 14. Jahrhundert, die Bergkirche (Ende des 18. Jahrhunderts) und die Orangerie, 1840 nach einem Plan von Gottfried Semper errichtet, besondere Beachtung.
Das Alte Schloss, eine Sumpfburg aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, wurde unter Prinz Friedrich 1864-66 im Stil der Neorenaissance umgebaut und erweitert. In den Kriegswirren des 2. Weltkrieges zur Ruine ausgebrannt, baute man es zwischen 1965 und 1968 wieder auf. Das Schloss ist ein zweigeschossiges Gebäude mit Walmdach. Den Mittelbau flankieren zwei vorspringende Seitenflügel. Der Haupteingang besitzt ein schönes Sandsteinportal mit Doppelwappen und drei Männerfiguren. Heute beherbergt es einen Weinkeller und das Stadt- und Parkmuseum.
Das Neue Schloss, in den Jahren 1520-30 errichtet, erfuhr eine wechselvolle Geschichte durch Zerstörungen und Brände. 1822 projektierte Friedrich Schinkel für Pückler den Um- und Ausbau des alten Herrensitzes, doch erst unter Prinz Friedrich der Niederlande entstand 1864-66 das einst zu den größten und repräsentativsten deutschen Adelssitzen gehörende Schloss im Neorenaissancestil. Die stattliche Dreiflügelanlage öffnet sich zur Parkseite über eine Freitreppe und eine Rampe. An der Westseite flankiert ein schlanker Rundturm den Bau. Ende des 2. Weltkrieges zerstörte ein Brand das Schloss bis auf die Grundmauern. Seine 1991 begonnene Sanierung dauert bis heute an.

Den Abschluss des Tages bildet die Rückfahrt mit der Waldeisenbahn nach Weißwasser.

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Bildergalerie
Rhododendronpark Kromlau
Kavalierhaus
Rhododendronpark Kromlau
Rakotzbrücke
Fürst-Pückler-Park Bad Muskau
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