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Beschreibung
Der kleine Ort Bad Muskau, nahe der Grenze zu Polen, verdankt seine Bekanntheit dem Fürsten und Landschaftskünstler Hermann von Pückler-Muskau, der mit seinem Landschaftspark ein einzigartiges Kulturgut geschaffen hat. Der Name „Muskau“ ist wahrscheinlich vom sorbischen Wort "Muzak" - wilder Mann - abgeleitet.
Der günstig an der Neiße gelegene Ort war bereit in slawischer Zeit besiedelt, aber erst für das Jahr 1361 ist eine Feste urkundlich nachweisbar. Mit Wenzel von Bieberstein gelangte die Herrschaft Muskau 1447 in den Besitz eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter, das die Herrschaft über 100 Jahre verwalten sollte. In seine Zeit fiel auch ein Ausbau der alten Wasserburg. Erst als Christoph von Bieberstein 1551 kinderlos starb, fiel Muskau als erledigtes Lehen an den böhmischen König zurück. Wilhelm von Dohna, der Muskau 1597 erwarb, gelang es, die Herrschaft in einen Allodialbesitz, und damit in erbliches Eigentum, zu verwandeln. Durch die Heirat der Erbtochter Katharina von Dohna 1644 mit Curt Reinicke I. von Callenberg gelangte die Herrschaft über mehrere Generationen in Callenbegischen Besitz.
Curt Reinicke I. hatte als kursächsischer Soldat im Dreißigjährigen Krieg für Sachsen militärische Erfolge errungen und wurde aus Dank 1645 zum Landvogt der Oberlausitz und 1664 zum kursächsischen Oberhofmarschall ernannt. 1651 zum Freiherrn aufgestiegen, erfolgte bereits zwanzig Jahre später die Ernennung zum Reichsgrafen. Er bescherte Muskau einen bemerkenswerten Aufschwung. Das 1643 schwer beschädigte Schloss ließ er 1646 bis 1653 zur barocken Dreiflügelanlage ausbauen. Für die Innenausstattung verpflichtete er italienische Wandkünstler. In die Zeit der Callenbergs fielen auch weitere Baumaßnahmen, wie die Errichtung eines Gartenpalais, der Ausbau des Amtshauses und die Gestaltung der Wassergräben.
Einen weiteren Besitzerwechsel leitete die Heirat der Erbtochter des letzten Grafen Callenberg ein, die 1784 den Grafen Ludwig von Pückler auf Branitz ehelichte. Die bedeutendste Persönlichkeit aus dem Hause Pückler war jedoch Hermann von Pückler (1785-1871), der 1811 die Standesherrschaft erbte. In der Oberlausitz gab es früher vier Standesherrschaften, von denen die Muskauer als die größte galt. Die Freien Standesherrschaften gingen auf die böhmische Krone zurück. Es waren Güterkomplexe, die von der Lehnshoheit des Landesfürsten befreit und praktisch zu Zwergstaaten gemacht wurden. Die Muskauer Standesherrschaft umfasste zur Zeit ihrer größten Ausdehnung im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts neben der Stadt Muskau auch noch 36 Dörfer, 23 Vorwerke, 14 Mühlen und drei Hammerwerke.
Der neue Herr, Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau, galt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Zeit. 1817 heiratete er Lucie, eine Tochter des preußischen Kanzlers von Hardenberg. Seit 1822 war er preußischer Fürst. Auf Grund seiner liberalen und antikirchlichen Anschauungen kritisierte ihn der damalige konservative Adel heftig. Nachdem Pückler 1845 wegen seiner hohen Verschuldung durch einen extravaganten Lebensstil die Standesherrschaft verkaufen musste, zog er sich auf sein Erbschloss in Branitz bei Cottbus zurück.
Berühmtheit erlangte der Ort insbesondere durch den großzügig gestalteten Park, den der Reiseschriftsteller und Gartenkünstler Hermann Fürst von Pückler-Muskau in den Jahren 1815-45 anlegen ließ. Neben Peter Joseph Lenné, der am preußischen Königshof wirkte, übertrug Pückler die Ideen des englischen Landschaftsparks, die er auf seinen Reisen kennen gelernt hatte: Die Architektur soll sich in die Landschaft einfügen, die Gestaltung soll der natürlichen Gegebenheit folgen. Für Pückler war ein Garten um so schöner, je mehr er vergessen ließ, dass er von Menschen gestaltete Natur ist. Die vorhandenen natürlichen Gegebenheiten nutzend, gestaltete Pückler eine Parklandschaft, die sich beiderseits der Neiße ausdehnte.
Den Park in der Neißeaue baute der Gartenbauarchitekt C. E. Petzold, ein Schüler Pücklers, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts im Sinne seines Lehrmeisters weiter aus. Der 2. Weltkrieg teilte jedoch den Muskauer Park: der sich östlich der Neiße erstreckende größere Teil gehört heute zu Polen; in Deutschland verblieb ein kleinerer Teil. Während der polnische Teil den Status eines Naturschutzgebietes bekam, in dem nichts verändert werden darf, wurde der deutsche Teil zum Gartendenkmal erklärt und im Sinne von Fürst Pückler gepflegt und erhalten. Seit 2003 sind mit dem Aufbau der Doppelbrücke wieder beide Teile miteinander verbunden.
Der Park begeistert durch seine beeindruckenden Fernsichten und großen Parkwiesen, seinen alten Baumbestand und den lebendigen Wasserläufen, in denen sich die Gebäude des Alten und Neuen Schlosses widerspiegeln. Rund 27 Kilometer Wanderwege führen Spaziergänger durch eine weiträumige Landschaft mit bis zu 200 Jahren alten Platanen, Rotbuchen, Linden und anderen Laubbäumen. Einen besonders schönen Blick in die Weite des Parks hat man von der Karpfenbrücke. Die Parkanlage steht auf der Denkmalliste der UNESCO.
Hermann von Pückler-Muskau plante auch grundlegende Umbauten des Schlosses. Doch dazu fehlten ihm die erforderlichen finanziellen Mittel. Lediglich die große Schlossauffahrt wurde 1825 ausgeführt. Pücklers weiterer Verdienst bestand auch in der Beseitigung alter Festungsbauwerke und die Schaffung der Voraussetzungen für den heutigen Repräsentationsbau. Dieser entstand erst 1863-66 unter Prinz Friedrich der Niederlande, der das einst zu den größten und repräsentativsten deutschen Adelssitzen gehörende Schloss im Neorenaissancestil verändern ließ. Die Baupläne stammen von Maximilian Franz Strasser und Hermann Wentzel. Die stattliche Dreiflügelanlage öffnet sich zur östlichen Parkseite über eine Freitreppe und die von Pückler errichtete Rampe. An der Westseite flankieren Rundtürme den Bau. Eine Vielzahl von Schmuckelementen, wie Ziergiebel, Balkone, Figuren, Laternen, Schmuckfriese und filigrane Turmhauben beleben das Schloss.
Mit den Grafen von Arnim, die zwischen 1883 und ihrer Enteignung 1945 im Besitz von Muskau waren, verbindet sich ein letzter umfassender Umbau des Neuen Schlosses. In ihm wurden der Küchen- und Festsaaltrakt an der Nordseite angefügt. Ende des 2. Weltkrieges zerstörte ein Brand das Schloss bis auf die Grundmauern. Seine 1991 begonnene Sanierung ist 2013 abgeschlossen.
Unweit des Neuen Schlosses steht das sogenannte "Alte Schloss", das jedoch nie als Schloss gedient hat. Das streng symmetrisch angelegte, schlichte Gebäude mit Walmdach wurde durch die Herren von Callenberg zum Verwaltungssitz umgebaut. Seine Hauptfront ist der Stadt zugewandt. Ein prächtiges barockes Eingangsportal unterstreicht den schlossartigen Charakter. Zwei Greifen halten das Doppelwappen des Grafen von Callenberg und seiner Gemahlin Ursula Katharina von Dohna. In den Nischen über dem Eingang stehen die Symbolfiguren "Wilder Mann", Flora und Hygieia. Die Bezeichnung "Altes Schloss" geht auf Hermann von Pückler zurück, der für seine Parkschöpfung ein älteres Bauwerk als Statussymbol brauchte.
Ergänzt werden das Alte und Neue Schloss durch das Kavalierhaus, den Marstall und die 1844 errichtete Orangerie.

Waldeisenbahn
Nutzen Sie für die Anreise auch die Waldeisenbahn, eine Schmalspurbahn aus dem Jahre 1895, von Weißwasser nach Bad Muskau. Die Fahrt dauert etwa 35 Minuten.

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Bildergalerie
Altes und Neues Schloss
Altes Schloss
Neues Schloss
Giebel des Neuen Schlosses
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Stand: 27.05.2012