Historisches Sachsen
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Beschreibung
An der Silberstraße, nördlich der Stadt Annaberg-Buchholz, liegt die alte Bergstadt Wolkenstein. Wolkenstein gehört zu den ältesten Siedlungen im oberen Erzgebirge. In der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde das gesamte Erzgebirge bis in seine Kammlagen planmäßig durch umfangreiche Rodungen erschlossen. Die Siedlungsbewegung führte der im Dienste der zentralen Reichsgewalt, des Kaisers, stehende niedere Adel. Die wirtschaftliche Erschließung des Landes trugen die zugewanderten Bauern. Durch die zahlreichen Silber- und Zinnfunde entwickelte sich Wolkenstein zu einer bedeutenden Bergstadt.
Archäologische Funde beweisen, dass die Burg im Zuge der Kolonisation des Erzgebirges nach der Mitte des 12. Jahrhunderts entstand; urkundlich wird Wolkenstein aber erst 1241 genannt. Die Burg war an einen mittelalterlichen Fernweg gebunden, der von Waldenburg über Wolkenstein bis nach Prag verlief. Die Furt durch die Zschopau deckte die Burg Wolkenstein auf einem Felssporn, der unmittelbar am rechten Zschopauufer über 70 m hoch "in die Wolken" ragt.
Die Wehranlage entwickelte sich zum Mittelpunkt einer bedeutenden Herrschaft, in der die Reichsministerialen von Waldenburg die Kolonisation und das Schürfen von Silbererz förderten. Deren Versuch, eine eigene Landesherrschaft zu errichten, kommt insbesondere in der Errichtung einer eigenen Münzstätte zum Ausdruck, in der um 1300 Brakteaten mit dem Wappen der Waldenburger und Anfang des 14. Jahrhunderts Prager Groschen geprägt wurden. Doch nach dem Ende der Schellenberger Fehde 1323 kam Wolkenstein unter wettinische Oberhoheit und die Bestrebungen der Waldenburger nach einer eigenen Landesherrschaft scheiterten. Dennoch konnten sich die Waldenburger weiterhin in Wolkenstein behaupten und richteten hier nach dem Verkauf ihrer Stammburg 1378 sogar einen neuen Hauptsitz ein. Da die auf Wolkenstein sitzenden Waldenburger 1474 jedoch keine erbberechtigten Nachkommen mehr hatten, war es für die Wettiner ein willkommener Anlass, ihren Machtbereich auszudehnen. Wolkenstein fiel ihnen als erledigtes Lehen zu und wurde landesfürstliches Amt. Nach 1500 erfolgte auf den Grundmauern der alten Wehranlage der Umbau zum Wohnschloss durch die neuen Besitzer, so dass von der alten Bausubstanz fast nichts mehr zu sehen ist. Zwischen 1505 und 1539 diente das Schloss Herzog Heinrich zeitweilig als Residenz und Jagdschloss.
Mit der Ernennung zum Kurfürsten verließ Herzog August die Burg und besuchte sie nur hin und wieder, wenn er in den erzgebirgischen Wäldern zur Jagd war. Über viele Jahre hinweg blieb das Schloss unbewohnt und verfiel. 1754 musste gar ein Teil des Turmes wegen Baufälligkeit abgetragen werden. Erst in den Jahren 1834-46 erfolgte ein Umbau und die Einrichtung eines Verwaltungszentrums mit Justizanstalt und Wohnungen für die Beamten. Bis 1951 beherbergte das Gebäude das Amtsgericht und die Strafanstalt.
Im spätgotischen Südflügel richtete man 1962 das Natur- und Heimatkundemuseum ein. Das Museum informiert die Besucher über die Geschichte des Schlosses und der Stadt Wolkenstein. Alljährlich zum Himmelfahrtstag lockt das traditionelle Burgfest tausende Besucher in die Stadt. Umzüge, Gaukler, Sänger, Landsknechte und Soldaten versetzen die Gäste um Jahrhunderte zurück.
Über das Aussehen der ursprünglichen Anlage ist nur wenig bekannt. Zu stark sind die Veränderungen, die die Überbauung der Burganlage während der Renaissance hervorgerufen hat. Dennoch lassen sich aus der Geländesituation und der erhaltenen Bausubstanz Rückschlüsse auf das einstige Aussehen ziehen. Der Bergsporn, auf der Wolkenstein steht, fällt nach Westen stark ab und so musste wegen der Höhenunterschiede wehrtechnisch die Angriffsseite durch eine breite Vorbefestigung mit Wall und Graben geschützt werden. Der frühere Eingang ist im Bereich der Südfront zu suchen. An der Spornspitze befand sich ein zweiter Hof, der jedoch im Laufe der Entwicklung Wolkensteins aufgegeben wurde. Nur noch wenige Mauerreste haben sich erhalten. Auch die doppelten Gräben, die den Adelssitz im Osten umgaben, sind fast vollständig verfüllt.
Die ältesten erhaltenen Bauteile der Schlossanlage sind der aus dem 14. Jahrhundert stammende Wohnturm und das Küchenhaus im Nordosten des Schlosses. Der trapezförmige Wohnturm mit starken Mauern und gewölbten Untergeschossen wurde durch seine Einbeziehung in den Ausbau des Schlosses wohnlich gestaltet. Dendrochronologische Datierungen der Deckenbalken ergaben seinen Umbau am Ende des 15. Jahrhunderts. Neben dem Wohnturm befindet sich heute ein Torhaus mit Durchfahrt als Zugang zum dreiseitig umbauten Schlosshof. Die heutige Baugestalt des Schlosses geht auf das 16. Jahrhundert zurück. Die weiß gestrichenen Schlossflügel tragen schlichte Schieferdächer. Im Südflügel erinnern restaurierte Festsäle, profilierte Holzbalkendecken, Sitznischen und ornamentale Wandbemalungen an die Zeit, als Wolkenstein noch Sommerresidenz und Herrschaftsmittelpunkt der Wettiner war.
Im Zusammenhang mit der Burg ist auch die Entwicklung der Stadt zu sehen, für die es offenbar keinen dörflichen Vorläufer gab. Der Besucher erreicht das Zentrum über eine steinerne Brücke, die schon 1770 den Fluss überspannte. Der historische Stadtkern mit dem altehrwürdigen Schloss, der St.-Batholomäus-Kirche, einer Postdistanzsäule von 1730, den Resten der Stadtmauer und ihre Entwicklung als oppidum mit Münzstätte erinnern noch heute an die frühe Bedeutung des Amtssitzes Wolkenstein.
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Schloss Wolkenstein
Schloss Wolkenstein
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Stand: 17.12.2016