Historisches Sachsen
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Beschreibung
Viele Einwohner des Städtchens Dahlen erinnern sich noch an die schreckliche Nacht des 20. März 1973, als das barocke Schloss in Flammen aufging. Ein defekter Ofenrohranschluss löste das Feuer aus und erfasste den gesamten Dachstuhl, der in sich zusammenfiel. Vielleicht hätte man die wertvollen Wanddekorationen noch retten können, doch unter den gegebenen Bedingungen war in der DDR kein Geld da, um die kostspieligen Baumaßnahmen auszuführen. So haben die nachfolgenden Jahrzehnte mehr zerstört als das eigentliche Feuer. Erst vor wenigen Jahren hat das Schloss wieder ein Notdach erhalten und der 2009 gegründete Schloss- und Parkverein bemüht sich um die weitere Sanierung.
Dabei gehörte das Schloss Dahlen einst zu den prächtigsten Adelssitzen in Sachsen. Seine kostbare barocke Ausstattung orientierte sich am Dresdner Hof. Dies war kein Wunder, denn der Bauherr war kein geringerer als der sächsische Hof- und Justizrat Graf Heinrich von Bünau, der 1721 das Rittergut durch seine Heirat mit Auguste Helene von Döring an sich gebracht hatte.
Heinrich von Bünau war ein gelehriger Mann. Nach dem Studium an der Universität Leipzig trat er 1716 in den kursächsischen Staatsdienst und wurde Beisitzer beim Oberhofgericht Leipzig, später Oberkonsistorialpräsident und Wirklicher Geheimer Rat. 1741 trat er in den Dienst des Kaisers Karl VII., der ihn zum Reichshofrat ernannte und als diplomatischen Gesandten einsetze. Nach dem Tod des Kaisers kehrte er 1745 nach Kursachsen zurück, ging 1751 nach Sachsen-Weimar-Eisenach und wurde schließlich 1756 Premierminister in Weimar. Seinen Ruhestand verbrachte er auf seinem Gut Oßmannstedt bei Weimar.
Mit Graf Bünau kamen Glanz und Prunk, die man nur vom Dresdner Hof und wenigen anderen Schlössern kannte, in die abgelegene Kleinstadt Dahlen. Das von 1744 bis 1751 errichtete Schloss besteht aus einem Mitteltrakt, an den sich zwei Seitenflügel anschließen, welche sowohl auf der Hof- als auch auf der Gartenseite hervortreten. So erhielt das Gebäude die Grundform eines H. Die beiden Wohngeschosse schloss ein Mansarddach nach oben hin ab. Der Eingangsbereich wurde durch einen Mittelrisalit betont. Auf einem geschwungenen Giebelfeld über dem Eingang hielten zwei Löwen das Wappen des Grafen. Die Außenfassade belebte eine aufgemalte illusionistische Architekturgliederung.
Auch das Innere des Schlosses war dem gesellschaftlichen Stand des Grafen angepasst: Vom Haupteingang betrat der Besucher eine kleine Vorhalle, von welcher man geradeaus in den "Weißen Saal" gelangte. Der "Weiße Saal" war nahezu quadratisch angelegt und mit weißem Stuckmarmor und figürlichen Reliefs, welche Astronomie, Geschichte, Musik, Dichtung und Baukunst sowie Malerei und Bildnerei darstellten, ausgekleidet. Über den Türen befanden sich Supraporten. Für die Ausmalung der wichtigsten Räume, wie den Kaisersaal, den Weißen Saal, die Eingangshalle und das Treppenhaus, konnte der Bauherr Adam Friedrich Oeser gewinnen. Oeser benötigte insgesamt vier Jahre, um die in Rokokoformen gehaltene Innenausstattung fertigzustellen. Im "Weißen Saal" zeigte das zentrale Deckenmotiv einen Wolkenhimmel mit einer nackten weiblichen Gestalt, vor der vier Putten spielen.
Oeser bemalte auch das Treppenhaus, das sich von der Vorhalle rechts anschließt. Die Treppe zog sich rechts herum in das erste Obergeschoss. Die linke Wand des Treppenhauses bemalte Oeser mit einer Treppe, die von Säulen gerahmt wurde. Diese Treppe endete vor einer aufgemalten Tür mit aufgemalten Putten in Supraporten. Einschließlich der Deckenmalerei wurde so der illusorische Eindruck einer doppelläufigen Treppe erreicht.
Im Obergeschoss nahm der "Kaisersaal" die gesamte Tiefe des Mitteltraktes ein. Auch er besaß eine prächtige Ausstattung mit Spiegeln und Ölgemälden. An der Decke schuf Oeser in einer perspektivischen Architektur in Wolken schwebende Gottheiten. Auch die anderen Zimmer des Schlosses waren prächtig ausgestaltet. Die Malerei gab neben Chinoiserien auch Rokoko- und Blumenranken wieder. Dazu gesellten sich Meißner Porzellan und verschiedene geschliffene Gläser.
Historische Bedeutung erlangte das Schloss Dahlen durch den preußischen König Friedrich II., der hier 1763 anlässlich der Friedensverhandlungen im nahen Schloss Hubertusburg, die den Siebenjährigen Krieg beendeten, residierte. Noch über Jahre zeigte man das alte Tintenfass, das Friedrich der Große benutzt haben soll, als er den Friedensvertrag unterzeichnete.
130 Jahre lang war Schloss Dahlen in den Händen derer von Bünau. Dann ging das Schloss durch Heirat an Carl Sahrer von Sahr über. Die Familie Sahrer von Sahr wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges enteignet. Noch immer ist offen, was aus dem alten Grafensitz werden soll. Der Schloss- und Parkverein bemüht sich redlich, die notwendigen Erhaltungsarbeiten zu leisten. Doch auch ihm fehlt das Geld in Millionenhöhe, um das Schloss wieder herzustellen. So versucht der Verein wenigstens durch Veranstaltungen die allgemeine Aufmerksamkeit für das Schloss aufrechtzuerhalten.
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Bildergalerie
Schloss Dahlen
"Weißer Saal"
www.historisches-sachsen.net
Stand: 20.05.2013