Historisches Sachsen
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Beschreibung
Von einem schmalen, halbinselförmigen Bergvorsprung blickt stolz das stattliche Schloss Wildenfels in das Tal. Schattige Wege führen hinauf zum Schlossberg, um den sich eine kleine Parkanlage legt. Schloss Wildenfels geht im Grundriss noch heute deutlich sichtbar zurück auf eine zweiteilige Burganlage. Der äußere Halsgraben ist vor dem Eingang noch gut erhalten. Der innere Graben ist indes durch den Querflügel des Schlosses überbaut worden. Von der Stadt führt eine lange Auffahrt zum vorderen Schloss.
Der Ursprung der Burg ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Durch zahlreiche Baumaßnahmen ist die alte Anlage vollständig überbaut und in ihrer ursprünglichen Form kaum noch erkennbar. Möglich ist, dass die Anlage im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts entstand.
Urkundlich nachgewiesen ist Wildenfels als Herrensitz eines Heinricus de Wildenvels jedoch erst 1253. Das Geschlecht erwarb sich vermutlich im Auftrag des Reiches bei der Kolonisation des Gebietes südlich von Zwickau besondere Verdienste. Neben diesen Verdiensten scheinen die Wildenfelser aber auch streitlustig gewesen zu sein. Auseinandersetzungen mit dem Probst von Naumburg führten 1408 zu einem Kirchenbann, der vorerst den Verlust ihrer Besitzungen zur Folge hatte, wenngleich die Mitglieder des Geschlechts auch weiterhin angesehen und begütert blieben.
Im 15. und 16. Jahrhundert wechselten mehrmals die Besitzer, von denen u.a. die Herren von Tettau und von Pflugk zu nennen sind, bis schließlich 1536 erneut die Herren von Wildenfels auf ihre Stammburg zurückkehrten. Brände von 1521 und 1589 fügten dem Schloss erhebliche Schäden zu.
Als die Wildenfelser 1602 ausstarben, ging die Herrschaft für die nächsten 343 Jahre an die Grafen von Solms-Laubach über. In das Wappen der Herrschaft Wildenfels mit einer blauen Rose fügten sie den aufsteigenden Löwen der Grafen zu Solms ein. Ihre reichsunmittelbare Stellung konnten die Herren von Wildenfels noch über 100 Jahre bewahren. Schließlich musste Otto Heinrich Wilhelm Graf zu Solms-Wildenfels 1706 doch die kursächsische Landeshoheit über die Herrschaft Wildenfels anerkennen, konnte aber einige Sonderrechte, wie die eigene Gerichtsbarkeit, erwirken.
Unter der Regie der Grafen von Solms-Wildenfels erfolgte auch der Ausbau der Burg zum Schloss. So wurden im 18. Jahrhundert Umbauten an den Schlaf- und Repräsentationsräumen vorgenommen. Graf Friedrich Magnus I. machte aus der Residenz im Erzgebirge einen Musenhof, lud Maler und Gelehrte auf das Schloss ein und gründete 1776 die Freimaurerloge "Zum goldenen Apfel". Von 1780 bis 1804 wirkte Christian Leberecht Vogel und von 1856 bis 1858 Franz Theodor Große als Hofmaler in Wildenfels. Sie schufen verschiedene Wand- und Deckengemälde im Schloss, die heute noch zu den geschützten Kulturgütern des Freistaates Sachsen zählen.
Den Adelssitz betritt man durch ein zur Stadt gerichtetes Tor, welches mit dem gold-blauen Wappen der Grafen von Solms-Wildenfels geschmückt ist. Die Gemächer der Grafenfamilie befanden sich im Ost- und Nordflügel. Sie beherbergen heute die Ahnengalerie und Salons mit wertvoller Ausstattung, so u.a. den "Blauen Salon" mit kostbarer bestickter Seidentapete. Das prächtige Gewebe ist wohl Teil eines Prunkzeltes aus dem persisch-türkisch Kulturraum. Seine feinste Nadelarbeit mit silbernem Faden zaubert üppige Blumenbouquets, exotische Vögel und geheimnisvolle, schwingende Öllampen auf den nachtblauen Seidengrund. Der Wandbehang kam wahrscheinlich 1737 als Kriegsbeute in den Türkenkriegen durch Graf Friedrich Ludwig zu Solms-Wildenfels und Tecklenburg in das Schloss. Nach einer aufwändigen und über drei Jahre dauernden Restaurierung und Konservierung erstahlt die einzigartige Seidentapete seit dem Frühjahr 2012 wieder im alten Glanz.
Im Südflügel wurde um 1790 der Festsaal mit einer klassizistischen Raumfassung eingerichtet. Bemerkenswert ist ein weißer, runder und über 3 Meter hoher Ofen aus Meißner Porzellan. Deckenhohe Pilaster, Girlanden und Friese aus Stuck gliedern den Saal. In ihm finden verschiedene Veranstaltungen und Konzerte statt.
Dem Festsaal folgt eine weiterer Saal, der heute als Trauzimmer genutzt wird. Seine reiche Ausmalung schuf 1856-58 der Maler Franz Theodor Große für den Grafen Friedrich Magnus II. Die beiden großen Gemälde an den Wänden zeigen Szenen aus der Geschichte des Hauses Solms und stellen den "Einzug der Grafen Solms in Wildenfels" im Jahre 1602 sowie die "Oranierhochzeit" im Jahre 1625 dar. Die Verbindung des Statthalters der Niederlande Friedrich Heinrich von Oranien mit der Gräfin Amalie zu Solms-Braunfeld öffnete dem Grafenhaus den Zugang zum europäischen Hochadel.
Vom Trauzimmer gelangt man in einen mit Bücherschränken gefüllten runden Raum - die obere Rotunde. Entstanden ist die Rotunde bei der Umgestaltung des Schlosses ab 1780. Die gräfliche Bibliothek - ehemals bestehend aus der oberen Rotunde und einem Lesezimmer - umfasste seinerzeit die fortschrittlichsten Werke der wissenschaftlichen und naturkundlichen Enzyklopedien sowie Ausgaben großer klassischer Autoren. Das Deckengemälde mit dem Titel "Drei Grazien im Begriff, mit Amor die wahre Schönheitslinie zu bilden" stammt vom Hofmaler Christian Leberecht Vogel. Ein kleiner schwebender Putto ist durch eine Blumengirlande mit drei auf Wolken ruhenden Grazien, den Göttinnen der Anmut, des Frohsinns und des Glücks, verbunden. Dabei windet sich die Girlande in Form eines "S" zur Hogarth'schen Schönheitslinie. Gleichzeitig steht das "S" aber auch als Initial für das Haus Solms. Das Deckengemälde im Lesesaal zeigt "Helios den Sonnenwagen heraufführend und die Nacht vertreibend".
Das einzige erhaltene Gebäude, das vor die barocke Umgestaltung zurückreicht, ist das Kornhaus an der Spitze des Hinterschlosses. Das Hinterschloss wurde zu modernen Wohnungen umgebaut.

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Bildergalerie
Schloss Wildenfels
Südfront
Vorderer Schlosshof
Festsaal
Trauzimmer
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Stand: 01.11.2009