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Beschreibung
Nahe der alten Handels- und Messestadt Leipzig gibt es eine Reihe von Schlössern und Herrenhäusern. Auch das mehrfach umgestaltete Schloss Schönwölkau reiht sich in eine Aufzählung dieser wertvollen Bauobjekte ein. Dennoch fristet es ein trostloses Dasein und sieht einer ungewissen Zukunft entgegen.
Die Geschichte des Barockschlosses Schönwölkau, abseits der Bundesstraße 2 zwischen Leipzig und Bad Düben, geht zurück bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts. An der Stelle des heutigen Schlosses stand ursprünglich ein Rittergut, das 1464 die Herren von Spiegel zu Lehen erhielten. Im 16. Jahrhundert ist die Familie von Schönfeldt als Besitzer nachgewiesen.
Nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg blieb das Rittergut lange ungenutzt. Schließlich erwarb 1659 der kursächsische Kammerherr, Rittmeister und Landeshauptmann in Bautzen, Christoph Vitzthum von Eckstädt, das Anwesen von Johann Gottfried von Schönfeldt und ließ an der Stelle des alten zerstörten Rittergutes ein neues Herrenhaus errichten. Doch der Bau sollte nicht ohne Komplikationen erfolgen: Herzog Christian von Sachsen-Merseburg wandte sich gegen den Bau einer weiträumigen Vierflügelanlage, die einen festungsartigen Charakter besaß, und reichte am 10. Februar 1673 beim Kurfürsten Johann Georg II. Klage ein. Das verhängte Bauverbot zog der Landesfürst jedoch im Mai 1674 wieder zurück, nachdem der als Sachverständiger hinzugezogene Kommandant der Leipziger Pleißenburg erklärte, dass die Umwandlung des Rittersitzes zu einer nur einigermaßen haltbaren Zitadelle unmöglich sei.
Die Grafen Vitzthum von Eckstädt entstammten einer alten thüringischen Adelsfamilie, die bereits 1123 in Apolda bezeugt ist. Die Vitzthums waren ursprünglich Stellvertreter der Erzbischöfe (Vizedominus) von Mainz in Erfurt. Die späteren Herren von Apolda nahmen den Amtstitel als Familiennamen und nannten sich Vizidomini (Vitzthum) von Apolda. Mit Rudolf starben die Vitzthums 1639 im Hauptast aus. Doch schon im 13. Jahrhundert trennte sich die Linie Vitzthum von Eckstädt ab und ließ sich in Sachsen nieder. Besonders Friedrich Vitzthum von Eckstädt (1675-1726) machte als gewandter Hofmann und Diplomat in Dresden und Warschau eine glänzende Karriere. Er wurde nach der Thronbesteigung Augusts des Starken dessen Leibpage, wenige Jahre später sein Reisemarschall, Rittmeister bei der Garde zu Ross und 1698 Kammerherr. Mit der Heirat von Rahel Charlotte von Hoym 1699 verschwägerte er sich mit einer der einflussreichsten Familien des Landes, denn Rahels Bruder, Adolf Magnus von Hoym, war Geheimer Rat und ab 1706 Kabinettsminister des Kurfürsten und polnischen Königs.
Mehrere Wohnsitze nannte Friedrich Vitzthum von Eckstädt sein Eigen, doch das Schloss Wölkau, für das sich im 18. Jahrhundert der Name "Schönwölkau" eingebürgert hatte, war sein wichtigstes Herrschaftssymbol. So verwundert es nicht, dass der 1711 in den Reichsgrafenstand erhobenen Friedrich Vitzthum von Eckstädt zu Beginn des 18. Jahrhunderts umfassende Veränderungen mit aufwendigen hochbarocken Formen vornehmen ließ.
Das weiträumige vierflügelige Schloss mit seinem quadratischen Grundriss besteht aus einem prächtigen dreigeschossigen Mitteltrakt, der sich gegenüber den bescheideneren Seitenflügeln deutlich hervorhebt. Auffallend sind am Südflügel die übereinanderliegenden ionischen Pilaster, die die Fensterachsen bilden. Ein Balkon mit steinerner Brüstung formt ein wohlgefälliges Aussehen. Der Dreiecksgiebel mit Ovalfenster enthält die Wappen des Grafen und seiner Ehefrau Rahel Charlotte von Hoym.
Südlich des Schlosses schließt sich eine ausgedehnte und reizvolle Parkanlage in ursprünglich streng geometrischem Stil mit teilweise sehr alten Baumbeständen an. Durch drei große Hauptalleen und zwei Bogengänge bot sie einen landschaftlichen Bezug zum Schloss. Den Park anlegen ließ der damalige Schlossbesitzer Friedrich Vitzthum von Eckstädt. Das heutige Aussehen der Anlage gleicht jedoch eher dem eines Landschaftsparks, der vor allem durch lange Lindenalleen sowie wunderschöne Altbäume beeindruckt.
Leider ist die Gegenwart des Schlosses trostlos. In der DDR für Wohnzwecke genutzt und wegen des beabsichtigten Braunkohleabbaus meist verschwiegen, wurde das Schloss 1997 an einen Investor verkauft, der in seinen Räumen ein Kulturzentrum einrichten wollte. Dennoch hat sich in den vergangenen Jahren wenig getan. Bis auf gelegentliche Veranstaltungen im großen Saal sowie seltene Konzerte und Gellert-Abende - der Dichter Christian Fürchtegott Gellert war häufig zu Gast - wird das Schloss kaum genutzt und verfällt zusehends. Es bleibt abzuwarten, wie sich die neuen Eigentümer zukünftig positionieren werden. Man kann nur hoffen, dass das sanierungswürdige Schloss vom Schicksal eines weiteren Verfalls oder gar der endgültigen Beseitigung verschont wird.
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Barockschloss Schönwölkau
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Stand: 14.03.2011