Historisches Sachsen
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Beschreibung
Eingebettet in die hügelige Landschaft des oberen Vogtlandes und am Südhang des Kapellenberges gelegen erhebt sich ein in bunten Farben gestrichenes Schloss mit massivem Turm. Die heutige aus einer Wasserburg hervorgegangenen Anlage ist aber nur eine Wehranlage von ehemals zwei.
Der südlichste Ausläufer des Vogtlandes gehörte zum alten Egerland und wurde früher als die Mitte des Vogtlandes erschlossen. Bereits kurz nach der Mitte des 13. Jahrhunderts entstand auf dem Gipfel des Kapellenberges eine Burg mit rechteckiger, kastellartiger Befestigung und hangwärts versetztem Graben. Ob zu diesem Zeitpunkt auch schon die Wasserburg bestand, oder sich diese erst zum Ende des 13. Jahrhunderts entwickelte, ist unklar. Doch die Befestigung auf dem Kapelleberg verfiel relativ schnell. Heute befindet sich auf dem Gipfel ein Aussichtsturm, der bei gutem Wetter hervorragende Fernsichten über das Vogtland und das Egerland bietet.
Übrig blieb die Wasserburg. Nachdem sich das kolonisationsführende egerländische Reichsministerialengeschlecht von Haslau in verschiedene Linien geteilt hatte, nannte sich eine seit Ende des 13. Jahrhunderts "von Schönberg". Infolge des Vogtländischen Krieges gelangte das Schönberger Ländchen 1357 unter die Hoheit der Markgrafen von Meißen. Schließlich erwarb 1485 das oberfränkische Geschlecht von Reitzenstein den Adelssitz. Die später in den Freiherrenstand erhobene Familie sollte Schönberg 460 Jahre lang in ihrem Besitz behalten.
Ältester Teil des Schlosses ist der allseitig umbaute Bergfried. Sein quadratisches mittelalterliches Mauerwerk bricht unter dem Dachstuhl ab. Der von außen sichtbare achteckige Turmabschluss ist deutlich jüngeren Datums und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zuzuordnen. Heute beherbergt der Turm das zentrale Treppenhaus. Im 16. Jahrhundert umgaben die von Reitzenstein den Burgturm mit weiteren Gebäudeteilen.
Seinen Schlosscharakter verlieh dem Gebäudekomplex jedoch erst der dreigeschossige Südflügel, dessen Erdgeschoss mit seinen fünf Fensterachsen zwischen 1550 und 1563 errichtet wurde. Über dem Haupteingang ist die Jahreszahl MDLXIII zu erkennen. Der dreigeschossiger Ausbau erfolgte wohl im 17. Jahrhundert. Eine Gliederung mit aufgemalten senkrechten Pilastern und waagerechten Gesimsstreifen beleben die Fassade ebenso wie die Sonnenuhr und der rechts angebrachte kleine Erker. Er erweitert eines der Zimmer im Obergeschoss. Auf der Sonnenuhr ist der lateinische Spruch "Sine Sole Nihil" (Ohne Sonne nichts) zu lesen. Die zweiläufige Freitreppe vor dem Schloss ersetzt seit dem 19. Jahrhundert eine steinerne Brücke, die zum Eingang führte. Nord- und Südflügel des Schlosses verbinden zwei Seitentrakte. Der Nordflügel ist ein Geschoss niedriger als der Südflügel. Über das gesamte Bauwerk legt sich ein durchgehendes Dach, das nur den Turm ausspart. Vor dem Schloss steht ein aus Granitplatten gefügtes achteckiges Brunnenbecken, in dem über einer Säule in einem Muschelbecken eine Quellnymphe das Wappen derer von Reitzenstein hält.
Die bunte Fassade des Schlosses setzt sich auch in seinem Inneren fort. Die herrschaftlichen Räume im Südflügel besitzen frühbarocke Stuckdecken aus dem 17. Jahrhundert. Zentrales Motiv im Festsaal ist die Darstellung der Göttin Diana als Jägerin. Medaillons enthalten die vier Elemente und die vier Jahreszeiten. Ebenso zeigt auch das Erkerzimmer Motive der Jagd, die zu den herrschaftlichen Vorrechten gehörte und so als Symbol der Herrschaftsausübung galt.
Letzte bauliche Änderung nahm Hans Freiherr von Reitzenstein in den 1880er Jahren vor. In den Turm ließ er ein repräsentatives Treppenhaus mit ionischen Säulen und gusseisernem Geländer einbauen. Dabei erhielt auch der Turm sein achteckiges Obergeschoss, ovale Fenster und ein Zeltdach.
Die letzte Gutsbesitzerin Pia von Reitzenstein-Magyary bewohnte das Schloss bis zum Oktober 1945. Weil das Rittergut mit 540 Hektar zu den größten des Vogtlandes gehörte, verfügte die sowjetische Besatzungsmacht die Enteignung. Frau von Reitzenstein wurde auf die Insel Rügen deportiert, wo sie verstarb. 1950 übernahm die Gemeinde den ehemaligen Adelssitz und richtete Wohnräume und eine Schule ein. Später schlossen sich zahlreiche weitere Nutzungsformen u.a. als Gemeindeamt, Bücherei und Kinderferienlager an. Auf dem Rittergut entstanden Neubauernhöfe.
Auf Grund des zunehmend schlechteren Bauzustandes zogen die Schlossmieter in den Folgejahren nach und nach aus. Schließlich war 1990 eine Notsicherung erforderlich, um das Bauwerk zu retten. Nach langer Suche gelang es der Gemeinde Ende 1999 endlich, das Schloss zu privatisieren. Ein in Schönberg geborener Unternehmer wagte den Schritt und richtete nach einer kostenaufwändigen Sanierung in den Räumen des Schlosses ein Café und das "Schloss-Trauzimmer" ein. Seit dem steht das Haus wieder im Mittelpunkt der Öffentlichkeit und stellt mit seiner Historie einen Anziehungspunkt für Kurgäste und Touristen dar.

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Bildergalerie
Schloss Schönberg
Südflügel
Saal im Obergeschoss
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Stand: 27.12.2014