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Beschreibung
Die kleine Ortschaft Milkel in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft nördlich von Bautzen, 1322 erstmals genannt, besitzt ein außergewöhnlich schönes Schloss. Mit seinen zwei kräftigen dreigeschossigen Rundtürmen an beiden Seiten erinnert es deutlich an das Jagdschloss Moritzburg, wenngleich es bei Weitem nicht dessen Größe und Bedeutung besitzt.
Die Türme entstanden nicht zur gleichen Zeit. Während sich im Südturm (rechts) - dem ältesten Teil des Schlosses - noch Zellengewölbe aus der 1. Hälfte des 16. Jahrhunderts befinden, wurde der Nordturm (links) erst um 1720 hinzugefügt.
Leider liegen aus der Gründungszeit der ehemaligen Wasserburg keine gesicherten Kenntnisse vor. Vermutungen gehen davon aus, dass bereits im 9. Jahrhundert an der Stelle des heutigen Südturmes ein Holzturm gestanden haben könnte, der Verteidigungszwecken diente. Historisch kommen als erste Herren auf Milkel zu Anfang des 14. Jahrhunderts die von Metzrad vor, die nach einer Urkunde 1322 die hiesige Kirche gründeten.
Schloss Milkel geht auf eine deutsche Wasserburg, um 1300 im sumpfigen Gelände auf Pfählen errichtet, zurück. Bei Bauarbeiten sicherte man einen Baumstamm, dessen Fällung auf das Jahr 1303 datiert werden konnte. Damit lieferte er einen wichtigen Beleg für die Gründung des Herrensitzes.
In der Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte Milkel der Familie von Löben, die ihren Besitz im folgenden Jahrhundert an die Familie von Ponickau veräußerte. Die Familie von Ponickau sollte die alte Wasserburg nachhaltig verändern. Nach verschiedenen Besitzerwechseln gelangte das Gut Anfang des 18. Jahrhunderts schließlich in die Hände von Johann Adolph von Ponickau. Dieser ließ das sattgelbe, zweigeschossige Schloss unter Bewahrung älterer Teile der Wasserburg aus dem 16. Jahrhundert mit giebelbekröntem Mittelrisalit, Freitreppe und Mansardenwalmdach errichten und den Nordturm hinzufügen. Durch die Errichtung des spiegelgleichen zweiten Turmes erhielt Schloss Milkel eine harmonische Schauseite.
Über eine zweiläufige Freitreppe erreicht man den Eingang in der Mitte. Ein Mittelrisalit teilt das Mansarddach. In seinem Dreiecksgiebel befand sich früher das von Löwen gehaltene Wappen der Grafen von Einsiedel, den nachfolgenden Besitzern. Leider sind alle Wappen nach der Enteignung in der Bodenreform entfernt worden, so dass sich das Schloss heute schmucklos darstellt.
Das Innere des Schlosses war einst prachtvoll ausgestattet. Heute weisen verschiedene Details auf eine Entstehung in der Renaissance hin. Der Festsaal im Obergeschoss hinter dem Mittelrisalit besitzt Rokokostuckaturen.
1767 ging durch Vermählung mit Eleonore Henriette von Ponickau der Besitz an den sächsischen Kabinettsminister Johann Georg Friedrich Graf von Einsiedel über. Über viele Jahre waren die von Einsiedel Besitzer des Gutes Milkel, mussten dieses aber 1900 an die Landesbank Berlin abtreten.
Kurze Zeit später kaufte Carl von Holnstein das Schloss und veranlasste in der Folgezeit bauliche Maßnahmen zur Erhaltung und Erweiterung der Bausubstanz. Es entstanden unter anderem wohnliche Gemächer und eine Gartenterrasse. Nach der Enteignung der Familie von Holnstein brachte man im Schloss vertriebene Familien aus Schlesien unter.
Das Schloss beherbergte längere Zeit die zentrale sorbische Sprachschule. Seit 1998 befindet sich Schloss Milkel in privater Hand eines Unternehmers aus Franken.
Dem Schloss vorgelagert ist ein Park im französischen und englischen Stil. Den französischen Teil des Schlossparks rahmen zwei gelb gestrichene Nebengebäude. Beete, Hecken sowie vier kleine Sandsteinfiguren im Zentrum verleihen der geometrisch gestalteten Anlage eine heitere barocke Note. Die Kleine Spree schließt den französischen Teil ab.
Im Anschluss ist ein im englischen Stil gestalteter Abschnitt in der Aue der Kleinen Spree dem Park zugeordnet. Sein alter Baumbestand mit schattigen Wiesenflächen lädt noch heute zu Spaziergängen ein. Von der Freifläche im Mittelteil ergeben sich stets aufs Neue Ausblicke auf das zentral stehende Schloss. Eine kleine, kunstvoll geschmiedete Brücke verbindet beide Parkteile.
Park und Schlosshof sind der Öffentlichkeit zugänglich. Besichtigungen im Schloss sind am Tag des offenen Denkmals oder nach Vereinbarung mit dem Besitzer möglich.
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Bildergalerie
Schloss Milkel
Brücke vor dem Schloss
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Stand: 01.11.2009