Historisches Sachsen
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Beschreibung
Gleich an der Autobahn 4 zwischen Bautzen und Görlitz erhebt sich ein Herrensitz vor einem steil abfallenden Gelände. Die Gröditzer Skala, ein Tal durch das das Löbauer Wasser fließt, ist reich an seltenen Pflanzen und Tieren. Nicht umsonst steht die Gröditzer Skala unter Naturschutz.
Doch zum gesamten Rittergutskomplex gehören nicht nur das Schloss, sondern auch eine über 1.000 Jahre alte sorbische Wallanlage, die ehemaligen Wirtschaftsgebäude und eine Parkanlage. Der Ortsname "Gröditz" leitet sich vom altsorbischen "grodisce" ab, was so viel wie Burgstätte bedeutet. Die frühere Slawenburg ist heute noch in Resten vorhanden. Gleich neben dem Schloss erkennt das Auge einen ehemaligen Abschnittswall, der einst zu der slawischen Befestigung gehörte. Im 13. Jahrhundert ging aus dieser Befestigung ein Rittersitz hervor.
Mit seiner Ersterwähnung als Gradis im Jahre 1222 ist Gröditz eine der ältesten Siedlungen in der Oberlausitz. Das Rittergut scheint im 13. und 14. Jahrhundert einer Familie von Porsitz gehört zu haben. Anfang des 15. Jahrhunderts ging das Gut auf die Familie von Maxen über. Die teils freiherrliche Familie derer von Maxen ist ein meißnisches Uradelsgeschlecht, welches seinen Stammsitz in Maxen bei Pirna hatte. Mitglieder der Familie hatten in der Oberlausitz hohe Ämter innen und besaßen ein hohes Ansehen. Im 15. und 16. Jahrhundert stellte die Familie einige Amtshauptleute in den größeren Städten der Lausitz und deren Umgebung. Um 1530 wurde Haug (Hans) von Maxen auf Gröditz Richter am Hofgericht zu Bautzen, 1547 kaiserlicher Kommissar, 1553 Kaiserlicher Rat und 1557 Amtshauptmann der Oberlausitz zu Bautzen. 1562 vergrößerte er seinen Besitz durch Zukauf des Rittergutes Weicha.
Im 17. Jahrhundert kam Gröditz dann in den Besitz des Adelsgeschlechts von Gersdorff. Mit ihm begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte. Hans Caspar II. von Gersdorff, der 1721 mit Gröditz belehnt wurde, wird der Bau des Schlosses um 1738 zugeschrieben. Dabei bezog der Bauherr vermutlich ältere Teile ein. Das Schloss steht unmittelbar an der steil abfallen Felskante des Löbauer Wassers. Auf einem rechteckigen Grundriss erheben sich zwei Etagen. Das dritte Geschoss ist als Mansarddach ausgebildet. Die Schauseite des Schlosses wendet sich dem vorgelagerten Schlossgarten zu. In der Mitte betont ein stark ausgeprägter Mittelrisalit mit Dreiecksgiebel den herrschaftlichen Anspruch. Eine geräumige Eingangshalle empfängt den Besucher. Über ein großzügiges Treppenhaus gelangt der Besucher weiter in die oberen Räume. Auf halber Treppe befindet sich ein Altan, von dem der Schlossherr die wunderbare Aussicht auf die Gröditzer Skala genießen konnte. Während das Erdgeschoss die Empfangszimmer und die Bibliothek aufnahm, befanden sich im Obergeschoss die Schlafräume der Herrschaften, Kinderzimmer, Salon und Esszimmer. Das Dachgeschoss war in erster Linie dem Dienstpersonal vorbehalten.
Der Königlich Sächsische Oberhofmarschall Georg Rudolf von Gersdorff baute das Schloss 1872 nochmals um. Damit ging die Ära der Familie von Gersdorff zu Ende. Nach dem Tod Georg Rudolf von Gersdorffs 1894 verkauften die Erben das Rittergut an Clara und Oskar Krauß. Ein Brand 1922 schädigte den Adelssitz stark. Doch die Familie von Krauß - Oskar Krauß war 1911 in den Adelsstand erhoben worden - ließ das beschädigte Schloss wieder aufbauen. Die weitreichenden Pläne des bekannten Burgenforschers und Architekten Bodo Ebhardt konnten wegen Geldmangels jedoch nicht vollständig umgesetzt werden.
1945 fiel das Rittergut unter die Bodenreform. Bis 1967 diente das Schloss als Tuberkulose-Heilanstalt und Außenstelle des Fachkrankenhauses Großschweidnitz. Zuletzt befanden sich in seinen Räumen ein Wohnheim für psychisch kranke Menschen.
Mit dem Verkauf des alten Herrensitzes sind die Schloss- und Parklandschaft wieder belebt worden. Beat von Zenker zu Prommritz - ein Großneffe der letzten Besitzerin Clara von Krauß - hat das Rittergut 2006 erworben und engagiert sich zusammen mit dem Förderverein pro Gröditz e.V. für eine sinnvolle Nutzung. Zwischenzeitlich ist das Schloss saniert und Besucher können die alten Parkwege wieder begehen.
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Bildergalerie
Schloss Gröditz
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Stand: 20.03.2011