Historisches Sachsen
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Beschreibung
Bellwitz, nahe der Stadt Löbau, ist slawischen Ursprungs und wurde 1312 erstmals urkundlich im Zusammenhang mit einem Lodewicus de Bellenwicz erwähnt. Doch bereits im 10. Jahrhundert legten die Sorben auf einem Felssporn über dem Löbauer Wasser, unweit des heutigen Dorfes, eine erste Wallanlage an, die bis zum 12. Jahrhundert genutzt wurde.
Das Rittergut in der Dorfmitte entstand wohl im 13. Jahrhundert unter einem deutschen Herrn. Zeitweilig unterschied man im 17. Jahrhundert zwischen den Rittergütern Niederbellwitz und Oberbellwitz. Schließlich gelangte Bellwitz in den Besitz der Familie von Gersdorff, von der es 1743 Johann Georg Adolph von Heldreich erwarb. Die Heldreichs galten im 16. Jahrhundert in Görlitz als angesehene Bürger und waren im Stadtrat vertreten. 1598 erhielten sie den Adelsbrief. In der Oberlausitz trugen sie darüber hinaus reichen Grundbesitz zusammen und verfügten bereits 1666 bis 1688 durch Hans von Heldreich über das Gut Niederbellwitz. Mit dem erneuten Kauf von Bellwitz setzten sie sich endgültig im Ort fest. Johann Georg Adolph von Heldreich gründete wenige Jahre später eine Familienstiftung, nach der der jeweils älteste Sohn den Besitz ungeteilt erben sollte. Bellwitz blieb bis 1945 in ihrer Hand.
Mit dem Erwarb des Rittergutes ging auch der Bau eines neuen Schlosses einher, wie die beiden Wappensteine neben der Haustür zeigen. Während sich das linke Wappen mit dem Monogramm J. G. A. v. H. auf Johann Georg Adolph von Heldreich bezieht, erinnert das rechte Wappen an seine Gemahlin Marianne Eleonore Freiin von Braun.
Das zweigeschossiges Gebäude erhebt sich auf rechteckigem Grundriss in einfachen barocken Formen. Sein steiles Mansarddach trug einst einen Dachreiter. Die schmuckvollen Giebel in Renaissanceformen sind bei einem Umbau 1859/60 unter Carl Theodor Emil von Heldreich hinzugefügt worden. Auch der mittlere Dachausbau war mit einem solchen Giebel und einem Turmaufsatz mit Uhr, die 1985 abgetragen wurden, versehen. Ende des 18. Jahrhunderts erhielt das Schloss bereits einen rückseitigen Anbau. Sein Portal zeigt die Jahreszahl 1791 und das Monogramm von Hans Gottlob von Heldreich, der 1787 die Herrschaft übernahm. Über dem Gesims ist ein Sandsteinrelief mit den Wappen der Familien von Hartitzsch, von Gersdorff und von Klüx angebracht. Am Schloss entstanden zudem mehrere Wirtschaftsgebäude und ein kleiner Park.
Nach der Enteignung der Familie von Heldreich diente das Schloss als Wohnhaus, Lebensmittelverkaufsstelle, Kindergarten und Kulturhaus des Ortes. Mit der politischen Wende in der DDR benötigte die Gemeinde den früheren Adelssitz nicht mehr und schrieb ihn zur Versteigerung aus. Doch eine erste Privatisierung scheiterte. In einer weiteren Versteigerung 2002 erhielt ein französischer Unternehmer den Zuschlag. Leider hat dieser an dem sanierungsbedürftigen Bauwerk keine Maßnahmen zur Erhaltung eingeleitet. So zeigt sich das Bauwerk heute in einem trostlosen Zustand.
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Schloss Bellwitz
Wappenstein
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Stand: 05.01.2014