|
|
Beschreibung
Das Schloss in Thierbach bietet heute nur noch einen traurigen Anblick. Dabei zeigen alte Fotos ein Schloss im Tudorstil, das in Sachsen nur selten zu finden ist. Davor eine gepflegte Parkanlage mit Bäumen und Blumenrabatten. Bis in die 1970er Jahre hinein war Schloss Thierbach bewohnt, doch als sich 1977 herausstellte, dass die Schornsteine nicht mehr genutzt werden können, erfolgte der Leerzug des als Wohnhaus genutzten Gebäudes. Seit dieser Zeit verwildert der kleine Park um das Schloss und das Haus selbst verfällt. Daran haben auch sein Verkauf an einen Leipziger Unternehmer 1990 und eine Versteigerung an eine Leipziger Immobiliengesellschaft im Jahr 2000 nichts geändert. Besonders im Herbst, wenn die Blätter fallen und das Schloss sichtbar wird, zeigt sich auch deutlich sein ruinöser Zustand. Verfall und Vermüllung schreiten unaufhörlich voran. Das Dach ist eingebrochen, die hölzernen Zwischendecken sind zerstört und wo vorher noch Fenster waren, klaffen heute nur noch leere Höhlen. Dazu türmen sich neben dem Schloss und in den Garagen, die auf dem Schlossgelände stehen, Abfälle jeglicher Art. Die Anwohner haben das Schlossgelände anscheinend als billige Entsorgungsmöglichkeit für Sperrmüll entdeckt. Und so ist es eher eine Wohntat, wenn sich im Frühjahr die Bäume und das Buschwerk um das Schloss herum wieder mit Laub füllen und die Ruine verdecken.
Über die geschichtlichen Anfänge von Thierbach ist nur wenig bekannt. Thierbach, ein Ortsteil von Kitzscher im Landkreis Leipzig in Sachsen, soll im Jahr 1277 als Herrensitz unter Heinrich von Thierbach erstmals erwähnt worden sein. Doch die Urkundenlage ist dünn und der Bezug in einem Altenburger Urkundenbuch nicht eindeutig. Deshalb haben Ernst Eichler und Hans Walther im "Historischen Ortsnamenbuch von Sachsen" den gleichen Eintrag auch bei dem nur 40 km entfernten Thierbach bei Penig vorgenommen. Gesicherter ist da die Ersterwähnung das Ortes 1350 im Lehnbuch Friedrichs des Strengen. Das Rittergut war bis zum Dreißigjährigen Krieg eng mit dem Rittergut in Kitzscher verbunden, deren gleichnamige Familie das Rittergut Thierbach im 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts besaß. Die Familie von Kitzscher wohnte jedoch im Nachbarort Kitzscher. Wie auch andere Dörfer der Gegend wurde Thierbach im Dreißigjährigen Krieg arg in Mitleidenschaft gezogen. Nur wenige Zerstörungen des Krieges konnten in dieser Zeit wieder beseitigt werden. Erst Heinrich von Claußbruch, der 1650 das wüste Gut erwarb, ließ es auf rechteckigem Grundriss als zweistöckiges Gebäude mit Mansarddach wieder aufbauen. Im Besitz seiner Familie blieb es bis 1733. Dann folgten die Familie von Zehmen und 1781 die Familie von Nostitz. 1813 erlangte das Rittergut auf Antrag von Carl Heinrich Adolph von Nostitz die Schriftsässigkeit. Im 19. Jahrhundert kam Thierbach mit Carl Wilhelm Martin, Otto Alexander Anger und Ferdinand Thilo in bürgerlichen Besitz, ehe es 1888 Julius Emmrich Curt von Auenmüller erwarb.
Der Rittmeister entstammte einer sächsischen Offiziersfamilie, die 1806 von Kaiser Franz II. in den Adelsstand erhoben worden war. Er ließ das Schloss außerhalb des alten Gutshofes im Tudorstil erbauen und mit einem englischen Landschaftspark umgeben. Warum sich Auenmüller für den zu dieser Zeit schon nicht mehr aktuellen Tudorstil entschied, ist nicht bekannt. So entstand ein repräsentativer, rechteckiger, zweigeschossiger Putzbau in Backsteinmauerwerk und mit zwei zinnenbekrönten, oktogonalen, dreigeschossigen Ecktürmen an der Straßenseite. An den Längstseiten ist die Fassade durch Mittelrisalite untergliedert, die turmartig das Gebäude überragen. Während der befahrbare Eingangsbereich mit einem säulengetragenen Altan überdacht ist, wird der rückwärtige Mittelrisalit durch einen loggiaartigen Vorbau erweitert. Die Porphyrsäulen beider Altane enden in neugotischen Blattkapitellen. Die Fassade ist mit Zinnen, profilierten Traufgesimsen und auskragenden Stockgesimsen verziert. Das Obergeschoss schließt mit einem umlaufenden Rundbogenfries ab. Vom historischen Gewölbekeller sind gemauerte Tonnengewölbe erhalten. Auch von der ursprünglichen Einfriedung sind noch Reste vorhanden. Das Schlossgelände begrenzt an der Straße ein eisener Zaun mit ursprünglich zinnenbekrönten Achteckpfeilern, die heute nur noch mit einem Spitzbogenfries versehenen sind, sowie ein großes, zweiflügeliges Eingangstor. Die Zaunelemente fehlen jedoch nahezu vollständig.
1941 musste Konrad von Auenmüller das Rittergut an die Aktiengesellschaft Sächsische Werke für die Braunkohlegewinnung verkaufen, blieb jedoch bis zur Enteignung im Rahmen der Bodenreform Pächter des Rittergutes. Dann richtete man im Schloss Wohnungen ein, die jedoch wegen baulicher Mängel bis 1980 leergezogen werden mussten. Nach der Wiedervereinigung kaufte zunächst ein Leipziger Unternehmer das Gelände mit dem Schloss von der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH, tätigte jedoch keine Investitionen. Auch eine Versteigerung des Schlosses an eine Leipziger Immobiliengesellschaft im Jahr 2000 brachte keine Verbesserungen im baulichen Zustand. Das Schloss verfällt gegenwärtig immer mehr und scheint damit wohl endgültig verloren zu sein.
|
|
| |
| Bildergalerie |
|
 |
| Schlossruine Thierbach |
|