Historisches Sachsen
Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen
Prießnitz   
 
Allgemeines
 
Information

Landkreis Leipzig

Beschreibung
Im kleinen Ort Prießnitz, heute ein Ortsteil der Stadt Frohburg im sächsischen Landkreis Leipzig, befindet sich ein beeindruckender Rittergutshof, der eine lange Vergangenheit hat. Trotz verschiedener Eingriffe in den Jahrhunderten, insbesondere auch in den Jahren der DDR, blieb der Hof bis heute als geschlossene Einheit bestehen und zeugt vom Leben einer ländlichen Adelsfamilie. Die Besonderheit ist, dass der Hof über viele Jahrhunderte fast nur von einer Adelsfamilie betrieben wurde: dem meißnischen Uradelsgeschlecht von Einsiedel. Das erstmals mit Guntherus de Einsedelen 1299 urkundlich erwähnte Geschlecht erwarb ab dem Mittelalter zahlreiche sächsische Burgen und Schlösser als Eigen- oder Lehnsbesitz und besteht in verschiedenen Linien und Zweigen bis heute fort.
Dabei hat die Geschichte von Prießnitz schon viel früher begonnen. Bereits 977 schenkte Kaiser Otto II. dem Merseburger Bischof Giselher seinen königlichen Hof "nostre curtem Presnize", aus dem sich das 1486 erstmals erwähnte Rittergut entwickelte. Prießnitz zählt damit zu den ältesten Orten in der Region. Als das Bistum Merseburg 981 für einige Jahre aufgelöst wurde, ließ sich Giselher, nunmehr Erzbischof in Magdeburg, von Kaiser Otto II. im Jahre 983 seinen Besitz von "villam Bresniza" in einer Urkunde vom 31. Januar bestätigen. Nachdem Kaiser Heinrich II. das Bistum Merseburg 1004 wiederherstellte, sicherte sich der neue umtriebigen Bischof Thietmar am 12. Oktober 1012 Prießnitz erneut urkundlich, woraus man annehmen kann, dass sich in Prießnitz ein bedeutender Wirtschaftshof befand. Um 1100 unternahm Wiprecht von Groitzsch Anstrengungen, fränkische Siedler im Gebiet von Wyhra und Eula ansiedeln. Auch in Prießnitz ließen sie sich nieder. Dass Prießnitz seinen slawischen Namens "Ort am Birkenwald" beibehielt, lässt auf eine bereits bestehende und nicht unbedeutende sorbische Siedlung um den königlichen und späteren bischöflichen Wirtschaftshof mit Kirche schließen. Der Wirtschaftshof wurde zu einem Herrensitz unter der Lehnshoheit der Burggrafen von Altenburg, später Burggrafen von Leisnig ausgebaut. 1380 gelangte er an Heinrich von Einsiedel und verblieb bis zum frühen 20. Jahrhundert in Familienbesitz. Dabei erweiterten ihn die jeweiligen Besitzer kontinuierlich zu dem heutigen umfangreichen Komplex.
Das Schloss, ein Spätrenaissancebau mit Toranlage an der Südseite und Anbau am Ostgiebel, wurde 1605/06 auf alten Fundamenten und Kellergewölben für Hans von Einsiedel und seine Gemahlin Anna von Schleinitz errichtet, wie auf einer Supraporte über dem südlichen Sitznischenportal des Schlosses zu sehen ist. Das Sitznischenportal mit reicher Architekturrahmung, ein Rundbogenportal an der Nordseite und die Fenstergewände des dreigeschossigen Baus sind aus Rochlitzer Porphyr gefertigt. Markant sind die dreigeschossigen Volutengiebel an seiner Ost- und Westseite sowie der hohe Dachreiter auf dem Satteldach des Hauses. Das östlich an das Schloss angebaute Seitengebäude mit Rundbogendurchfahrt ergänzten August von Einsiedel und seine Ehefrau Sibylla von Bromsdorff 1697. Über der Durchfahrt ist ihr Doppelwappen angebracht. Der Pferdestall im Erdgeschoss hatte Kreuzgratgewölbe. Darüber lag im Obergeschoss der Festsaal. An das Schloss schließt sich ein großer, rechteckiger Rittergutshof an. Die sogenannte Ostbebauung mit Pächterhaus, Brauerei, Stallungen und Speichern an der Ostseite des Hofes gaben August von Einsiedel und Helena von Schönberg 1740 in Auftrag. Über dem Portal des Herrenhauses sieht man ihre Wappen. Das beeindruckende, langgestreckte Gebäude besitzt einen turmartigen Mittelbau mit hohem Mansarddach, Dachreiter und Uhr. Das dreigeschossige Gebäude zeichnen seine feinen barocken Fassadengliederungen mit Putzspiegel und Fenster mit Porphyrtuffgewänden aus. In ihm befindet sich ein schlichtes Treppenhaus, über das die mit Stuckdecken versehenen Räume im Obergeschoss betreten werden konnten. Die Seitentrakte nahmen Ställe und Wirtschaftsräume auf. Hervorzuheben ist der linke, anderthalbgeschossige Seitenflügel mit Mansarddach und zwei Gaubenreihen mit darüberliegenden Fledermausgauben. Im ehemaligen Schlossgarten sind noch Reste eines Gartenpavillons vorhanden.
Anfang des 20. Jahrhunderts verkaufte eine Erbengemeinschaft der Familie von Einsiedel das Rittergut an den Chemnitzer Papierfabrikanten Fritz Vogel. Er ließ das Schloss in den nachfolgenden Jahren für gelegentliche Jagd- und Sommeraufenthalte umbauen, wobei man die Nordfassade änderte und dort ein neues Portal mit einer darüberliegenden Fenstertür einbaute, der wiederum ein Balkon vorgelagert ist. Die Ergänzungen sind dem Baustil des 17. Jahrhunderts nachempfunden und passen so gut zur übrige Fassade. Das Satteldach des Schlosses erhielt zudem einen Dachreiter. Im Innern fügte Fritz Vogel eine Halle mit Kamin und Holzbalkendecke ein, über die man das Obergeschoss mit den Wohnräumen und Gästezimmern erreichen konnte. Leider sind in dieser Zeit auch große Teile des Archivs verlorengegangen. Fritz Vogel ließ sie in seiner Papierfabrik verkollert.
Im Zuge der Bodenreform musste Fritz Vogel sein Anwesen verlassen. Der Gutshof wurde zunächst an Neubauern aufgeteilt und später durch die LPG genutzt. Im Schloss richtete man Wohnungen ein. Bei einer Renovierung des Gebäudes 1974/75 erhielt der Seitenflügel nach dem Herausbrechen der Gewölbe eine massive Decke. Der Festsaal darüber wurde zur Turnhalle. Auch danach erfuhr das Rittergut immer wieder Veränderungen. Der Heimatverein Prießnitz / Trebishain e.V. hat in den Stallungen und Scheunen eine umfangreiche Sammlung landwirtschaftlicher Maschinen, Fahrzeuge und Geräte zusammengetragen, die in der Ausstellung "Ländliches Brauchtum" besichtigt werden können. Darüber hinaus sind in den Stallungen auch historische Handwerkerstätten, wie Schmiede, Schumacher und Stellmacher, eingerichtet worden.
 
Bildergalerie
Schloss Prießnitz
Gutshof mit Herrenhaus
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