Historisches Sachsen
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Beschreibung
Das Elbsandsteingebirge an der Grenze zur Tschechischen Republik ist eines der bekanntesten Wandergebiete Deutschlands. Zahlreiche Wanderrouten durchqueren das weiträumige Areal und lassen jedes Jahr tausende Besucher Ruhe und Entspannung finden.
Der Begriff "Sächsische Schweiz" ist etwas irreführend. Als Beschreibung des zwischen Pirna und der böhmischen Grenze gelegenen Teil des Elbsandsteingebirges bürgerte er sich in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts ein, als der schweizer Maler Anton Graff und der Kupferstecher Adrian Zingg, die an der Dresdner Kunstakademie lehrten, an ihre Heimat erinnert wurden. Ihrer Begeisterung ist der sich bald im 19. Jahrhundert ausbreitende Tourismus zu verdanken.
Der stark zerklüftete Neue Wildenstein (309 m) im Nationalpark "Sächsische Schweiz" gilt seit über 150 Jahren als berühmtes Wanderziel im Elbsandsteingebirge. Schon 1824 errichtete hier ein Gastwirt ein kleines Gasthaus mit Stube, Küche und Pferdestall. Doch nur wenige Besucher wissen, dass der Neue Wildenstein bereits vor 600 Jahren besiedelt war und eine von vielen böhmischen Burgen beherbergte. Diese Tatsache ist um so bemerkenswerter, weil der Burgenbau in der Sächsischen Schweiz erfolgte, als die militärische Bedeutung der Burgen wegen der immer besser werdenden Waffentechnik allmählich abnahm und sich die Landesherren durch Offenhauserklärungen Zugang zu fremden Burgen sicherten.
Dennoch zogen die schwer zugänglichen Felsen seit dem 13. Jahrhundert Burgenbauer an. Heute sind mehr als ein Dutzend Burgstätten zwischen Pirna und der böhmischen Grenze identifiziert. Wenngleich auch nur noch spärliche Überreste vorhanden sind, zeichnet sich für den aufmerksamen Besucher doch ein Bild der reichen Besiedlung ab.
Der Bau der Felsenburgen in der Sächsischen Schweiz ist untrennbar verbunden mit den Berken von der Duba, einem alten böhmischen und mährischen Herrschergeschlecht, das weite Teile Nordböhmens in seinem Besitz hatte. Mitte des 14. Jahrhunderts drangen die Berken nach Norden vor und erwarben u.a. die Herrschaft Hohnstein.
Die ehemalige Burg auf dem Wildenstein verdankt ihre Entstehung einer Erbteilung des Hinko Berke von der Duba, der im Jahre 1410 seinem zweiten Sohn Heinrich den Wildenstein überließ. Die weiträumig angelegte Burganlage löste wohl den "Alten Wildenstein" ab, dessen Namensgebung aus dem 19. Jahrhundert stammt, als man auf der Öderkarte die Eintragung "Alter Wildenstein" für den im Volksmund als Heidematz bekannten Felsen fand.
Obwohl der Wildenstein intensiv bebaut war, reichten den Herren die Abgaben der Bauern nicht. Durch Misswirtschaft sanken sie zu Wegelagerern und Raubrittern herab. Das rief die reichen Städte und den sächsischen Kurfürsten auf den Plan, die bemüht waren, dem Treiben ein Ende zu setzen. Falsche Treuegelübde der Raubritter auf dem Wildenstein wechselten sich mit Überfällen ab. Erst nachdem 1451 Kurfürst Friedrich auch in der Herrschaft Wildenstein die Machtfrage geklärt hatten und sie mit dem Amt Hohnstein vereinigte, kehrte Ruhe ein. Weil die Burg in der Folgezeit nicht mehr genutzt wurde, verfiel sie.
Im Dreißigjährigen Krieg suchten Menschen und Tiere Unterschlupf in einer Höhle - dem sogenannten "Kuhstall" - unterhalb der ehemaligen Burganlage. Seither der Name "Kuhstall". Dieses mächtige Felsenfenster (Höhe bis zu 11 m, Breite: 17 m, Tiefe: 24 m) liegt auf dem Horizont einer tonhaltigen Zwischenschicht, an der es zu zahlreichen Höhlen- und Überhangbildungen kommt.
Trotz des jahrhundertlangen Verfalls lassen sich durch den Besucher immer noch Spuren aus dem Mittelalter entdecken. Auf dem Plateau des Neuen Wildensteins sind verschiedene Reste von Mauern, Treppenstufen und in den Stein gehauene Balkenfalzen vorhanden. Wahrscheinlich befanden sich neben Türmen auch mehrere aus Holz gefertigte Gebäude auf dem Gipfel. Die Überreste sind über die "Himmelsleiter" - eine Eisentreppe in einer sehr engen Felsspalte - zu erreichen. Besucher sollten festes Schuhwerk tragen und schwindelfrei sein.
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Bildergalerie
Plateau des Neuen Wildensteins
"Kuhstall"
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Stand: 01.11.2009