Historisches Sachsen
Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen
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Beschreibung
Wiederoda, ein Ortsteil der Gemeinde Wermsdorf im Süden des Landkreises Nordsachsen, liegt südöstlich von Leipzig und besitzt eines jener Landschlösser, die ihren Charme nicht gleich zum Ausdruck bringen. Der große unregelmäßige Gutshof ist leicht zu finden, denn bereits von Weitem ist sein mächtiges, dreigeschossiges Torhaus mit Mansardwalmdach, Dachreiter und Wetterfahne zu sehen. Betritt man den gepflasterten Hof, fällt linkerhand sofort das stattliche Barockschloss mit seinem ausladenden Mansardwalmdach und stehenden Gauben ins Auge. Wenngleich sich seine heutige schlichte Putzfassade noch in einem schadhaften Zustand präsentiert, lässt sich doch erahnen, wie die einst im 18. Jahrhundert aufgemalte Architekturgliederung gewirkt haben muss. Das auf der Hofseite befindliche und leicht nach rechts angeordnete Schlossportal besitzt eine Sandsteinrahmung mit Pilastern. Eine kurze Freitreppe aus Sandstein führt hinauf. Über dem Portal ist das Wappen der Familie von Bünau zu sehen. Es erinnert an den kurfürstlich sächsischen Rat Heinrich von Bünau, der das Rittergut Wiederoda 1717 erwarb und den Herrensitz 1721 im Barockstil umbauen ließ.
Doch schon vor den Bünaus blickte Wiederoda auf eine lange Geschichte zurück. Bereits Anfang des 15. Jahrhunderts wurde ein Fredemann von der Warthe zeu Wedirrade erwähnt. Fünfzig Jahre später saßen Mitglieder der Familie von Heynitz in Wiederoda und in der Mitte des 16. Jahrhunderts ging der Besitz an die Familie von Grünrodt über. Mit der Familie von Bünau zog 1717 eine der in Sachsen bekannteste Familie in das Schloss ein.
Die Bünaus waren ein weit verbreitetes Adelsgeschlecht, das in Sachsen mit zahlreichen Hauptstämmen und Nebenlinien vertreten war. Der erste urkundliche Nachweis der Familie erfolgt am 10. März 1166 mit der Nennung eines Rudolf von Bünau unter den Zeugen einer Schenkungsurkunde des Bischofs Udo von Naumburg. Zu den Besonderheiten der heute noch existierenden Familie gehört, dass die männlichen Mitglieder ausschließlich Heinrich, Günther oder Rudolf heißen, was eine Unterscheidung zu anderen Familienmitgliedern, wie z.B. dem zeitgleich im 18. Jahrhundert lebenden Heinrich von Bünau auf Schloss Dahlen, nicht einfacher macht. Einer Sage nach sollen in den Hussitenkriegen (1420–1434) zahlreiche Abkömmlinge der Familie ums Leben gekommen sein. Nur drei Personen mit Namen Heinrich, Günther und Rudolf überlebten die Kriegsgräuel. Ihnen zum Andenken sollen alle männlichen Nachkommen ausschließlich einen der drei Vornamen tragen. Die Familie selbst geht jedoch davon aus, dass das Geschlecht bereits vom ersten Auftreten an nur die drei Taufnamen Heinrich, Günther und Rudolf führt.
Das jetzige Schloss in Wiederoda geht aus einem Vorgängerbau der Renaissance hervor. Wahrscheinlich wird sich in dieser Zeit auch das Eingangsportal des Schlosses genau in der Mitte der Westfassade befunden haben. Erst durch die Erweiterung im 18. Jahrhundert ist es zu der heutigen versetzten Anordnung gekommen. Darüber hinaus musste auch das steile Renaissancedach dem noch heute vorhandenen dreigeschossigen Mansarddach weichen. Auch im Schloss erinnern das dreiläufige Treppenhaus sowie eine Bogenarchitektur in einigen Räumen an die Renaissance. Eine kleine Sensation war die Freilegung einer bemalten Holzbalkendecke aus dem 18. Jahrhundert in den Jahren 1996/97. Die rechteckigen Felder zeigen unterschiedliche Landschaftsszenen. Weitere Räume verfügen über einfache Stuckdecken.
Von Rudolf von Bünau ging das Schloss Wiederoda 1764 an Johann Georg Müller über. 1873 erwarb Emil Barth das Rittergut. Unter seiner Herrschaft entstand 1888 das Torhaus mit dem Monogramm "E.B.". 1922 übernahm Heinrich Sieber das Gut. Der Landwirt, Offizier und Reichstagsabgeordnete der NSDAP betrieb in Wiederoda vor allem Viehzucht. Kurz vor Kriegsende 1945 flüchtete er vor den anrückenden Sowjettruppen, doch das Rittergut wurde beschlagnahmt und an Neubauern aufgeteilt. Im Schloss brachte man zunächst ein Tuberkuloseheim und später die Verwaltung einer Maschinen-Traktoren-Station unter. Ab 1966 diente das Gebäude als Schule. Mit der Verlegung des Schulstandortes nach Oschatz suchte der Kreis einen neuen Eigentümer, den man 2008 auch fand. Die neuen Besitzer wollen den Standort zu einem repräsentativen Seminar- und Alpakazentrum ausbauen.
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Schloss Wiederoda
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Stand: 31.01.2015