Historisches Sachsen
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Beschreibung
Dominanter Punkt des kleinen Ortes Weißig, 10 Kilometer nördlich von Kamenz, ist das im Zentrum stehende Schloss. Durch seine großzügige Gestaltung und prachtvolle Bauweise erregt es die ungeteilte Aufmerksamkeit von Einheimischen wie von Touristen.
Schloss Weißig wurde maßgeblich durch die Familie von Zehmen beeinflusst. Über zwei Jahrhunderte war das Geschlecht, dessen Anfänge sich bis in das 13. Jahrhundert zurückverfolgen lassen, im Besitz des Gutes. Das Stammhaus dieses meißnischen Uradels lag im Ort Zehmen bei Rötha im Leipziger Kreis.
Doch schon viele Jahre vorher - seit 1466 - ist Weißig als Rittersitz verschiedener Adelsfamilien erwähnt. Die Weißiger Linie der Adelsfamilie von Zehmen leitete der Königlich Polnische und Churfürstlich Sächsische Hof-, Justiz- und Appellationsrat Hanns Bastian von Zehmen ein, als er 1723 das Rittergut Weißig von Carl von Ponickau erwarb. Hanns Bastian von Zehmen gilt als der Stammvater des oberlausitzschen Zweiges.
Viele Jahre lebten die Weißiger Rittergutsbesitzer in einem einfachen, schmucklosen und mit Schindeln gedeckten Herrenhaus. Mit dem steigenden Wohlstand wollte die Adelsfamilie aber auch ihre Wohnverhältnisse verbessern. So entstand nordöstlich des alten Herrenhauses ein herrschaftliches Schloss. Der Offizier und Gutsbesitzer Oskar Horst von Zehmen ließ nach Plänen des bekannten Architekturbüros Lossow & Kühne aus Dresden in den Jahren 1907 bis 1908 das Gebäude nach modernen Gesichtspunkten errichten. Gleichzeitig wollte der Bauherr aber auf herrschaftliche Formen nicht verzichten. So schmücken heute noch stattliche Renaissancegiebel, die nach ihren Vorbildern aus dem 17. Jahrhundert gestaltet sind, den dreigeschossigen Bau. Das Hauptportal trägt das Familienwappen mit den Initialen des Otto Horst von Zehmen und die Jahreszahl der Fertigstellung (1908=OHVZ). Zwei Erker und ein abgestufter Terrassenvorbau mit breiter ausschwingender Freitreppe gliedern die Hauptfassade. Siebzig Zimmer unterschiedlicher Größe und Funktion liegen hinter den Bogenfenstern. Ein großer Empfangssaal ist ebenso dabei, wie Ess-, Schlaf-, Arbeits- und Herrenzimmer. Aus dem alten Herrenhaus übernahm man wertvolle Möbel, Bilder und Jagdtrophäen.
Doch lange konnte die Freude über den stattlichen Besitz nicht währen. 1912 wurde der künftige Erbe Oskar Horst Ernst von Zehmen, Königlich Sächsischer Leutnant im 2. Jägerbataillon, bei einem Duell mit einem Nebenbuhler, der seine Frau verführte, erschossen. So übernahm dessen Sohn Georg von Zehmen nach dem Tod seines Großvaters Schloss und Rittergut. Aber auch Georg fiel im Zweiten Weltkrieg. Seine Gebeine liegen in einer Familiengruft im landschaftlich gestalteten Schlosspark. Das neugotische Bauwerk wurde 1844 für Georg von Zehmen errichtet und 1938 erneuert. Über dem Zugang zum Vorhof erinnern zwei Wappen an den 1899 verstorbenen Moritz Oskar von Zehmen und seine zweite Ehefrau Thekla von Wolfersdorff.
Nach dem Tod Georg von Zehmens verkaufte seine Frau Margot aus wirtschaftlichen Gründen das Schloss an den "Reichsbund für Deutsche Jugendherbergen" in Berlin. Schließlich wurde aus dem Schloss ein Wehrertüchtigungslager für die Hitlerjugend und später - 1949 - das Kreiskinderheim für elternlose Kinder. Als das Heim 1993 geschlossen wurde, begann die Suche nach einem neuen Investor. Schließlich konnte das Schloss im Jahre 2005 an den niederländischen Geschäftsmann Jan van Ede übertragen werden.
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Bildergalerie
Schloss Weißig
Familiengruft
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Stand: 07.08.2011