Historisches Sachsen
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Buch "Schlösser & Burgen in Sachsen"   DVD "Schlösser & Burgen in Sachsen"

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Beschreibung
Ein jämmerliches Bild bietet sich dem Betrachter: Das Schlossgebäude zerstört, die Wirtschaftsgebäude ruiniert, der Park verweist. Schloss Tiefenau gehörte einst zu den bedeutendsten barocken Landsitzen Sachsens. Doch die sinnlose Schlosszerstörung 1948 sollte die Erinnerung an frühere Zeiten für immer auslöschen. Geblieben ist eine rekonstruierte Schlosskapelle und ein auch heute noch in seiner Gestaltung sehenswerter Schlosspark.
Das ehemalige Rittergut nordöstlich von Riesa liegt am Rande eines Teichgebietes und wurde bereits 1259 als Herrschaftssitz erwähnt. Es gehörte dem Bischof von Naumburg, der bestrebt war, durch Kolonisation und Burgenbau hier eine eigene Herrschaft aufzubauen. In politischen und militärischen Auseinandersetzungen schränkten Dietrich der Bedrängte und Heinrich der Erlauchte 1216 und 1259 die Herrschaft der Bischöfe jedoch ein. 1259 musste der Bischof von Naumburg schließlich die alte Burg Tiefenau an den Markgrafen von Meißen abtreten. Dem Bischof blieb die sogenannte "Neue Burg", vermutlich eine Wasserburg an der Stelle des späteren Barockschlosses. Doch auch diese Grenzsituation hatte nicht all zu lange Bestand: 1274 erwarb der Markgraf auch noch die "Neue Burg" und festigte damit seine Macht. Die alte Burg im Osten ist heute überbaut.
In der Folgezeit wechselten mehrmals die Besitzer bis im 15. Jahrhundert das aus Böhmen stammende Adelsgeschlecht von Pflugk in den Besitz von Tiefenau gelangte und diesen - mit einer Unterbrechung zwischen 1613 und 1704 - bis 1945 behielt.
Der Oberhofmarschall August Ferdinand Graf von Pflugk gestaltete nach dem Wiedererwerb 1704 in der wasserreichen Niederung der Röderaue eine der schönsten Schloss- und Gartenlandschaften Sachsens. Dabei bezog er auch den mittelalterliche Wasserschutz der "Neuen Burg" in die barocke Gartengestaltung ein und verändert ihn.
Durch eine Toreinfahrt gelangte man einst in den rechteckigen Gutshof, um den sich die Wirtschaftsgebäude legten. An der Schmalseite befand sich das stattliche Barockschloss, das sowohl den Gutshof als auch den auf der anderen Seite angelegten Schlosspark beherrschte. Sandsteinfiguren schmückten den Treppenaufgang. Doch von dem Schloss ist heute nur noch ein mit Strauchwerk bewachsener Schutthügel geblieben, der auf die einstige Pracht hinweist.
Mit der Zerstörung des Schlosses hat auch der mit Wassergräben umgebene Schlosspark seinen Bezugspunkt verloren. Dennoch ist in der gelungenen Anlage französischer Art sehenswerte Substanz erhalten geblieben.
In der von August Ferdinand Graf von Pflugk um 1710 angelegten Parkanlage laufen mit niedrigen Hecken gesäumte Wege auf einen schönen Sandsteinbrunnen zu. Die vier Kreuzungspunkte der Nebenachsen werden durch weitere Figuren hervorgehoben. Eingefasst wird die mit geometrischen Wegen und Rasenflächen versehene Anlage durch eine umlaufende Mauer und vier Gartenhäuschen mit Mansarddach. Eines der Häuschen ist als Grottenpavillon ausgestattet.
Nachdem der Bauherr 1712 starb, fügte seine Witwe 1716-17 die Schlosskapelle hinzu. Sie steht außerhalb des Schlossparks neben dem ehemaligen Brauhof. Der Bau wirkt von außen eher schlicht, entfaltet innen aber eine glanzvolle barocke Pracht. An der Raumgestaltung waren vermutlich die Bildhauer Johann Benjamin Thomae und Johann Christian Kirchner beteiligt. Die Orgel stammt aus der Werkstatt Gottfried Silbermanns.
Leider sieht die Schloss- und Gartenanlage sehr traurig aus. Nachdem 1945 der letzte Besitzer enteignet und vertrieben wurde, plünderte man die Schlossgebäude und zerstörte die Orgel der Kirche. Seit 1990 stehen die Bauten des verwahrlosten Rittergutes leer. Auch die Pläne eines Investors haben sich bislang nicht erfüllt. So bleibt nur zu hoffen, dass die Anlage bald einer neuen Verwendung zugeführt werden kann, bevor sie ganz verfällt.
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Bildergalerie
Wirtschaftshof des Rittergutes
Schlosspark Tiefenau
Sandsteinbrunnen
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Stand: 01.11.2009