Historisches Sachsen
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Beschreibung
Die Gemeinde Mülsen zwischen Zwickau und Glauchau gilt als die längste Gemeinde Sachsens. Fünfzehn Kilometer zieht sich die bewohnte Fläche entlang des Mülsenbaches, eines Zuflusses der Zwickauer Mulde. Die Gemeinde entstand 1999 aus dem Zusammenschluss mehrerer Dörfer. Zur ihr gehört auch der Ortsteil Thurm mit seiner über die Grenzen des Ortes hinaus bekannten "Festscheune", die einst Teil eines 1382 erstmals erwähnten Herrensitzes war.
Über viele Jahre stand Thurm, wie der gesamte Mülsengrund, unter der Lehnshoheit der Herren von Schönburg. Nach den Herren von Meckau, einem Schönburgischen Vasallengeschlecht, wurde Thurm 1489 der Familie von Weißenbach als Lehen übertragen. Das sächsische Uradelsgeschlecht sollte über dreihundert Jahre im Besitz von Thurm bleiben. 1817 verkaufte die Familie das Rittergut an die Brüder Wilhelm Albert Emil und Friedrich Heinrich Erdmann Freiherren von Kotzau aus Oberkotzau im heutigen Oberfranken. Die weit verzweigte Adelsfamilie stand u.a. in Diensten der obersten Kirchenbehörde der Schönburgischen Gebiete. In der Nacht vom 12. zum 13. Juli 1876 musste der Rittergutsbesitzer Hans Erdmann Freiherr von Kotzau ansehen, wie sein Schloss in Flammen aufging. Mit ihm erlosch nur wenige Monate später auch die Thurmer Linie der Freiherren von Kotzau. Das Rittergut, welches zwischenzeitlich in erbliches Eigentum übergegangen war, wurde 1878 an den Kohlenwerksbesitzer Richard Sarfert aus Bockwa bei Zwickau verkauft.
Die Familie Safert war durch die Steinkohlegewinnung im Zwickauer Revier zu Reichtum gekommen. Mitte des 18. Jahrhunderts stieg der Bedarf an Steinkohle durch den Siegeszug der Dampfmaschine und die Entwicklung des Eisenbahnwesens sprunghaft an. So konnte der neue Eigentümer anstelle des abgebrannten Herrensitzes in Thurm bereits 1880 den Bau eines neuen Schlosses feiern. Neben der Kirche entstand auf einem ungleichmäßigen Grundriss ein dreigeschossiges Gebäude, dessen Hauptflügel sich dem Gutshof zuwendet. An ihn schließt sich auf der Gartenseite ein Nebenflügel mit Erkern und Vorbauten an. Giebel mit Treppenfriesen schmücken die Dachlandschaft. Die dunkelbraunen Fensterrahmungen harmonieren gut mit der hellen Fassade des Schlosses.
Fritz Sarfert, der letzte Gutsherr in Thurm, verlor seinen Besitz 1945 im Zuge der Bodenreform. Im Schloss richtete man zunächst eine Landwirtschaftsschule ein, später eine Polytechnische Oberschule. Heute steht das Schloss Thurm leer. Die Gemeinde Mülsen, der das Bauwerk gehört, hat für das sanierungsbedürftige Schloss noch keine geeignete Nutzung gefunden. Lediglich die alte Scheune wurde zur "Festscheune" umgebaut und bietet den Anwohnern und Gästen der Gemeinde Platz für Veranstaltungen aller Art. Auf dem historischen Rittergutsgelände sind zwischenzeitlich Reihen- und Einfamilienhäuser entstanden. Es bleibt zu hoffen, dass auch das gut erhaltene Schloss eine Zukunft haben wird.
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Schloss Thurm
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Stand: 06.03.2016