Historisches Sachsen
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Beschreibung
Die Wehranlage auf einem 50 m hohen Felssporn am linken Muldeufer 20 Kilometer nordwestlich von Chemnitz gehört zu den bedeutendsten Adelssitzen Sachsens. Um 1170 errichtet, wird als erster bekannter Burgherr und Erbauer der Burg Guntheros de Rochsberg angenommen. Die folgenden Jahre waren von mehrmaligen Besitzerwechseln gekennzeichnet. Nach den Burggrafen von Altenburg fiel Rochlitz 1329 den Burggrafen von Leisnig zu, die die Burg wiederum 1448 an Heinrich von Gera veräußerten. Schließlich übernahmen 1469 Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht die Rochsburg.
Die Wettiner verpfändeten 1470 das Amt an ihren Oberhofmarschall und ersten Minister Hugold von Schleinitz. Sofort begann der neue Burgherr mit dem Umbau zu einem spätgotischen Wohnschloss. Dabei muss er stark in der Gunst gestanden haben, denn kein geringerer als Arnold von Westfalen, der Erbauer der Albrechtsburg in Meißen, stand ihm für die Überwachung der Arbeiten zeitweilig zur Verfügung. Doch lange konnte sich Hugold von Schleinitz nicht an seinem neuen Anwesen erfreuen. 1488 löste Herzog Albrecht die verpfändete Herrschaft wieder ein.
Ein Schlossbrand 1503 führte abermals zu einem Besitzerwechsel. Heinrich und Götz von Ende auf dem benachbarten Kriebstein nutzten die Gelegenheit und tauschten mit Herzog Georg von Sachsen ihre Herrschaft Kriebstein gegen die Rochsburger Grundherrschaft ein. Nachdem die Burg 1547 im Schmalkaldischen Krieg niedergebrannt worden war, verkaufte Wolf von Ende Rochsburg an die mächtigen Schönburger Grafen, die sie bis zur Bodenreform 1945 in ihrem Besitz hielten. Im Zuge der Bodenreform übernahm das Land Sachsen die Verwaltung.
Die Rochsburg gehört zu den wenigen sächsischen Burgen, die noch etwas von ihrem mittelalterlichen Charakter behalten haben. Bereits die Uranlage aus dem 12. Jahrhundert war eine zweiteilige Burg, bei der sich die niedrige Vorburg markant von der höher angelegten Kernburg absetzte. Aus dieser Zeit hat sich jedoch nur der Bergfried erhalten. Eine spätere Zugabe, am barocken Stil erkennbar, ist sein Helm. Ursprünglich war der Bergfried frei stehend. Die wenigen anderen Burgbauten, die einst um den Kernturm angeordnet waren, entfernte man in späteren Zeiten oder veränderte sie nach kriegerischen Handlungen. Die heutigen Bauten sind Zugaben der Spätgotik und der Renaissance.
Auch der Zwinger an der Nordseite mit der vorderen Toranlage und dem Fachwerkwehrgang wurde romantisiert. Der Toranlage fügte man unsachgemäße Zinnen hinzu; der Wehrgang ist erniedrigt.
Man betritt die Anlage über eine Brücke deren tiefer Halsgraben das Burggelände vom Hinterland trennt. Über den Nordzwinger führt der Weg durch eine Toreinfahrt in den unteren Schlosshof. Linker Hand passiert der Besucher dann das Tunneltor im Westflügel der Kernburg und gelangt so zum oberen, nahezu rechteckigen Schlosshof.
Die nun sichtbare Vierflügelanlage wurde durch den politisch einflussreichen kurfürstlichen Oberhofmarschall Hugold von Schleinitz ab 1470 erbaut. Die umfangreichen Bauarbeiten betreute kein geringerer als der Oberlandesbaumeister Arnold von Westfalen, einer der bedeutendsten Architekten seiner Zeit. Dabei bezog Arnold von Westfalen den Bergfried und Teile der mittelalterlichen Burg in die Gestaltung des repräsentativen Adelssitz ein.
Besondere Beachtung verdient die um 1475 erbaute Schlosskapelle "St. Anna" mit Netzgewölben (1522) von Caspar Kraft, dem späteren Ratsbaumeister in Halle und Schöpfer der Hallenser Marktkirche, und dem Altaraufsatz (1576) von Andreas Lorentz. Gegenüber steht die Neue Kemenate mit großem Wendelstein von Arnold von Westfalen.
Im Burghof befindet sich ein Brunnenhaus mit dem 53 m tiefen Brunnen. Den aus dem 12. Jahrhundert stammende Brunnen teufte 1470-75 der Freiberger Bergmeister Thorwenzel und seine Gehilfen von 31 m auf die heutige Tiefe ab. Das Brunnenhaus und das dazugehörige Räderwerk entstanden im 18. Jahrhundert.
Spätere Besitzer ließen noch einige Veränderungen an den Gebäuden vornehmen. Nach einem Brand 1547 baute Wolf II. von Schönburg die Vierflügelanlage wieder auf. Dabei entstand ein einheitliches Dach, das alle vier Schlossflügel bedeckte. Johann Georg von Schönburg richtete das Schloss 1620-24 wohnlicher her. Seine Anbauten an die Schlossflügel verfremdeten das Bild einer einheitlichen regelmäßigen Wohnanlage wieder.
Heute befindet sich im Schloss ein Museum mit geschmackvoll möblierten Barock-, Rokoko-, Empire- und Biedermeierzimmern. Der Besuch des Museums ist auch wegen der Exponate und der Präsentation zur Baugeschichte lohnenswert.
Der Kernburg ist im Westen ein dreieckiger Wirtschaftshof vorgelegt. Seine Hofbebauung mit den zwei Flügeln folgt dem spitz zulaufenden Bergsporn. Verschiedene Gebäude enthielten einst Pferdeställe, Remisen für Kutschen und Dienstbotenwohnungen. Die Bebauungsspitze markiert ein schiefergedeckte Pulverturm mit Dachreiter.
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Bildergalerie
Schloss Rochsburg
Nordzwinger mit Wehrgang
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Stand: 06.10.2013