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Beschreibung
Seit Jahren hält das Rätselraten um die Bedeutung des Palastes in der Nähe von Oschatz an. Chronisten bringen Gerichtversammlungen der Markgrafen in Verbindung mit dem Schloss. Den wahren Grund wird man aber wohl nie erfahren, denn der Palast ist niemals vollendet worden und war nur kurze Zeit genutzt. Über die Gründe gibt es nur Vermutungen.
Die historisch bemerkenswerte Schlossanlage "Osterland" wurde um 1210 vermutlich als Jagdschloss für den Markgrafen Dietrich von Meißen und der Ostmark erbaut. Da man bei Ausgrabungen keine Brandspuren entdeckte, ist möglicherweise der Tod des Bauherrn 1221 ausschlaggebend für die Aufgabe der Anlage etwa in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sehr schnell verfiel das Schloss, so dass es bereits 1379 als wüstes Steinhaus in schriftliche Überlieferungen einging.
Den Namen "Osterland" erhielt die Anlage in Anlehnung an die Bezeichnung, die seit Beginn der Herrschaft der Wettiner ein lose begrenzter Landstrich zwischen Leipzig, Torgau, Borna und Weißenfels erhielt. Auch in den Kartenwerken, die Adam Zürner für August den Starken fertigte, findet sich dieser Name. In alten Urkunden ist jedoch immer nur vom "Steinhaus" oder "beim alten Schloss" die Rede.
Mehrmals fanden im 20. Jahrhundert Ausgrabungen statt, so u.a. zwischen 1903 und 1908 unter Leitung von Justizrat Hans Julius Schmorl und 1991-92 unter Leitung von Reinhard Spehr.
Bereits 1929 veröffentlichte Radig einen Grundriss, der Aufsehen erregte. Einen nahezu quadratischen Gebäudekomplex von etwa 46 m Seitenlänge begrenzen quadratische Ecktürme. Der gesamte Grundriss ist mit dem quadratischen Hof von etwa 20 x 20 m Abmessung völlig symmetrisch.
Weitere sensationelle Erkenntnisse brachten die Ausgrabungen von Reinhard Spehr. Er legte ein wertvolles Wasserhaus und den gesamten Grundriss frei. Dendrochronologische Untersuchungen der Hölzer weisen auf ein Fälldatum im Winter 1211/12 hin und stützen damit die These des Baus Anfang des 13. Jahrhunderts.
Die Vierflügelanlage wurde über ein Bachtal errichtet und deckte glockenförmig eine Quelle ab. Das Bauwerk war dreigeschossig mit einem Halbkellergeschoss. Die oberen zwei Stockwerke erreichte man über zwei steinerne Spiraltreppen, die innerhalb der Mauer verliefen. Während das untere Stockwerk nur schießschartenähnliche Schlitze aufwies, öffneten sich die oberen Stockwerke mit repräsentativen Fenstern. Die Risalite und die Wandgliederung vermitteln einen castrumartigen, wehrhaften und trutzigen Eindruck. Alle Ecken der 24 Risalite bestanden aus sorgfältig gearbeiteten Quadern, die bis in die Fundamente hineinreichten.
In der östlichen Ecke des Palasthofes fügten die Baumeister ein quadratisches Quellhaus mit einem runden Innenhof von 6 m Durchmesser ein. Von den anschließenden beiden Palastflügeln führten Treppen in diesen unterirdischen Wasserraum. Das Wasserbecken lag über einer extrem starken Quelle, die mit einem Fördervolumen von mehreren tausend Litern pro Tag schnell das Becken füllte. Das runde Bassin von drei Metern Durchmesser war über sechs Stufen aus prächtigem Porphyr zugänglich. An einigen Steinen aufgefundene Farbreste lassen die ehemalige Pracht erahnen, die das Wasserhaus einst besaß.
In seiner Formgebung gehört das Wasserhaus zu den schönsten romanischen Architekturen Sachsens. Es sollte vermutlich nicht nur zum Wasserschöpfen, sondern auch als repräsentativer Aufenthaltsraum des Herrschers dienen. Doch scheint es so, als sei das Bauwerk niemals genutzt worden. Wegen der zunehmenden Gefahr einer Schädigung und des Zerfalls musste das Quellhaus nach den Ausgrabungen wieder verfüllt werden.
Mit den fehlenden Urkunden und dem schnellen Verfall des Herrschaftssitzes gerieten auch die Gründe seiner Entstehung rasch in Vergessenheit. Die heutigen Baureste des Palastes bestehen hauptsächlich aus zwei 9,60 Meter hohen Mauerstummeln. Ihre romantische Lage an einem baumbestandenen Teich führt den Besucher jedoch in eine geheimnisvolle Vergangenheit.
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Bildergalerie
Schlossruine Osterland am Stausee
Mauerreste
Grundriss
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Stand: 01.11.2009