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Beschreibung
Bekannt geworden ist Lungkwitz, nur wenige Kilometer südlich der alten Residenzstadt Dresden, durch seine wohltätige Stiftung der Christiane Elisabeth Bennemann, die fast 200 Jahre lang bedürftigen Frauen half. Erst mit der Bodenreform 1945 erlosch die Bennemann-Stiftung.
In einer Urkunde aus dem 15. Jahrhundert über Lungkwitz wird die Familie von Zschieren als Eigentümer des dortigen Rittergutes genannt. Archäologische Forschungen ergaben jedoch, dass das Dorf und das Rittergut Lungkwitz viel älter sein müssen, als diese urkundliche Erwähnung. Unter dem heutigen Stiftsgut in der Nähe von Kreischa liegen Reste einer frühdeutschen Wasserburg.
Das älteste Bauwerk der Anlage ist das parallel zur Straße gelegene alte Herrenhaus, auch als Turmgebäude bezeichnet. Es hatte auf der Hofseite einen Treppenturm mit Welscher Haube und spitzer Laterne, die 1993 abgenommen werden musste und jetzt im Gutshof stehen. Die Jahreszahl 1550 deutet auf einen Um- oder Neubau durch den damaligen Besitzer Hans von Zschieren hin. Das Herrenhaus nutzte man später als Stall- und Wirtschaftsgebäude.
Das am Gutseingang links stehende Schlossgebäude baute Peter von Zschieren 1619 und 1621 im Renaissancestil um oder neu. Es besteht aus zwei im rechten Winkel zusammenstoßenden Flügeln, die durch einen Treppenturm miteinander verbunden sind. Auf dem mit einem Satteldach abgedeckten Gebäude befinden sich Zwerchhäuser und reizvolle Schmuckgiebel.
Das Schloss hat heute viel von seinem ursprünglichen Aussehen bewahrt. Zusammen mit den Nebengebäuden - das Stiftshaus von 1842, das zweigeschossige Verwalterhaus von 1832 und das lang gestreckte Stallgebäude von 1882 - bildet es einen rechteckigen, geräumigen Gutshof.
1728 erwarb der Hof- und Justizrat Dr. Johann Christian Bennemann das Gut. Nach dessen Tod ging es an seine Witwe Christiane Elisabeth Bennemann über, die es in ihrem Testament 1760 in eine milde Stiftung für Bedürftige umwandelte. Nach Ihrem Tod im Jahre 1771 trat die Stiftung 1772 ins Leben. Bedingungen für die Aufnahme waren: Alter über 50, unverschuldete Bedürftigkeit, fleckenloser Wandel und evangelischlutherisches Bekenntnis. Die ehrbaren Witwen und deren Männer fanden "Aufnahme in geräumigen, separaten Wohnungen mit Aufwartung, Holzdeputat, der Berechtigung, Milch und Butter aus der Oekonomie zu festgesetzten niedrigen Preisen zu entnehmen, und überdies eine baare Unterstützung von je 50 Thaler jährlich". Die Anzahl solcher "Stipendien" war ursprünglich auf sechs festgelegt, erhöhte sich aber im Laufe der Jahre auf 23.
Besonderen Wert legten die Rittergutsbesitzer auf die Pflege der Promenaden, heute Lungkwitzer Anlagen genannt. Aus der Ferne nicht sichtbar, ziehen sie sich am gegenüberliegenden Hang hin und laden mit ihren verschlungenen schattigen Wegen zum Spaziergang ein.
1945 fiel der Hof mit über 400 Hektar unter die Bodenreform und wurde 1948 grundbuchlich der Gemeinde Lungkwitz übereignet. Mit der Enteignung erlosch auch die Bennemann-Stiftung. In den Stallgebäuden richtete man Wohnungen ein.
Erste Sicherungsmaßnahmen in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts konnten den Verfall des Schlosses und der anderen Gebäude nur kurzfristig stoppen. Eine Privatisierung und Nutzung als Kultur- und Weiterbildungszentrum scheiterten 2002. So fristet das Schloss, leerstehend, ein trauriges Dasein und verfällt immer mehr.
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Schloss Lungkwitz
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Stand: 01.11.2009