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Beschreibung
Unweit der Ortschaft Pöhl, im Ortsteil Liebau, nördlich von Plauen im Vogtland, liegt etwas abseits in einem kleinen Wald versteckt hoch oben auf einem Felsen über dem Tal der Weißen Elster die alte Burgruine Liebau. Die romantische Anlage ist schon seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Ausflugsziel von Besuchern der sogenannten "Vogtländischen Schweiz" und der nahen Talsperre Pöhl geworden.
Die überlieferte Geschichte setzt mit der ersten urkundlichen Erwähnung einer Burg Lubawe am 13. März 1327 ein, als Vogt Heinrich von Plauen seine Herrschaft und die Burg dem böhmischen König als Lehen antrug. Die Burg besaß bereits einen kleinen Vorgänger, den wahrscheinlich schon vor 1200 die Grafen von Eberstein als die ersten Lehnsherren des Gebietes um Plauen zum Schutz ihres Territoriums an der Nordgrenze erbauen ließen. "Alt-Liebau" befand sich auf einem Felssporn etwa 500 m nördlich.
Die heutige Burgruine ist wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts auf dem größeren und sicheren Bergsporn erbaut worden. 1357 tauschte der Plauener Vogt Heinrich der Ältere Liebau mit den Wettinern, da die Vögte nach dem verlorenen Vogtländischen Krieg handlungsunfähig waren und ihren Besitz nicht halten konnten. Auch später gelang es den Vögten nicht mehr, sich zu behaupten. 1466 erwarben die Wettiner endgültig die gesamte Herrschaft Plauen. In der Folgezeit verlehnten die Wettiner Liebau an Familien des niederen Adels. Nachfolgende Besitzer blieben jedoch weitgehend unbekannt, erst das Jahr 1441 nennt die Dölau urkundlich als Nutzer. Bis auf eine kurze Unterbrechung zwischen 1599 und 1607 verblieb Liebau bis 1725 in der Hand dieser Familie.
Die Burg hatte im 15. Jahrhundert ihre ursprüngliche Funktion als Grenzbefestigung jedoch schon verloren. Um 1550 zu einem Schloss im Renaissancestil umgebaut, plünderten 1640 hier im Dreißigjährigen Krieg schwedische Söldner und steckten den Treppenturm in Brand. Die heutigen Ruinen sind der Rest des danach wieder hergestellten Schlosses.
Letzter männlicher Besitzer des Schlosses war Gottlob Christian von Dölau auf Ruppertsgrün. Seine Frau Sophia Christina, geborene von der Planitz, wohnte nach seinem Tode von 1720 bis zu ihrem eigenen Ableben 1725 in Liebau. Ihr folgte ihre Schwester Johanna Charlotte von Beust, die aber auch nur noch bis 1742 in dem kalten und öden Schloss verblieb und dann in das nahe Rittergut umzog. Der Adelssitz wurde aufgegeben und verfiel zur Ruine.
Von der spätmittelalterlichen Steinburg sind keine eindeutigen Baureste mehr zu erkennen. Der nahezu dreieckige Bergsporn über der Weißen Elster war einst durch Gräben in Abschnitte geteilt, die Platz für umfangreiche Befestigungen boten. Unterhalb der heutigen Umfassungsmauer ist eine turmhügelartige Erhebung zu erkennen, die wohl als ein zweiter Kern der mittelalterlichen Anlage anzusehen ist. Dieser wurde jedoch beim Schlossbau aufgegeben. Als heutige Ruinensubstanz finden wir an baulichen Überresten des schlossartigen Ausbaus nur noch Teile des Palas', des Treppenturms sowie der Umfassungsmauer, die einst die gesamte Breite des Sporns ausnutzten. Der Treppenturm weist eine Verjüngung auf. Während der Unterbau rechteckig hervortritt, sind die Obergeschosse als fünf Seiten eines Achtecks geformt. Nach dem Wiederaufbau 1644 erhielt er eine Welsche Haube als oberen Abschluss.
Seit 1991 findet alljährlich am letzten Juniwochenende um die Ruine das Liebauer Ruinenfest statt.
Nachdem die letzte Eigentümerin 1742 das alte Schloss verlassen hatte, befand sich die herrschaftliche Wohnung im barocken Herrenhaus des nahe gelegenen Rittergutshofes. 1862 ging der Besitz an Kommerzienrat Carl Traugott Sieber. Er ersetzte das alte Herrenhaus mit Mansarddach und Dachreiter durch einen villenartigen Neubau. Ein Mittelrisalit und Giebel mit Zinnen betonten den Eingang auf der Hofseite. Das Innere war mit Holzvertäfelungen versehen. Die Familie Sieber besaß das Anwesen bis zu ihrer Enteignung 1945. 1950 wurde das Herrenhaus der Gemeinde übertragen, die darin mehrere Wohnungen einrichtete. Doch da sich niemand um den Erhalt kümmerte, verschlechterte sich der Bauzustand zusehends. Die Wohnungen wurden leergezogen, das Dach stürzte ein. Heute bemüht sich ein Verein um den Wiederaufbau der Herrenhausruine.
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Bildergalerie
Burgruine Liebau
Reste eines Turmes
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Stand: 17.03.2013