Historisches Sachsen
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Beschreibung
Klaffenbach, südlich von Chemnitz, besitzt ein sehenswertes Wasserschloss. Eigentlich ist die Bezeichnung "Wasserschloss Klaffenbach" nicht korrekt, denn bis 1945 lautete die amtliche Bezeichnung des Rittergutes "Neukirchen". Auch in historischen Aufzeichnungen wird der Name Neukirchen verwandt. Weil der Gutshof aber näher an Klaffenbach liegt, setzte sich die heutige Bezeichnung Ende des 20. Jahrhunderts immer mehr durch.
Erstmals im Jahre 1200 im Zinsregister des Chemnitzer Klosters urkundlich erwähnt, gehörten Klaffenbach, Neukirchen und andere benachbarte Dörfer im späten Mittelalter zur reichen und mächtigen Benediktinerabtei St. Marien. In der Reformation wurde die Abtei aufgehoben, ihr Besitz 1541 vom Landesherren Herzog Moritz von Sachsen eingezogen. Zwei Jahre später kauft Wolff Hünerkopf die Dörfer Neukirchen, Klaffenbach und Burkhardtsdorf für 7.000 Gulden. Er erbaute dort im folgenden Jahrzehnt "hoff und forwergk". Die Geschichte des Schlosses beginnt also nicht mit einem Adligen, sondern mit einem Bürger.
Wolff Hünerkopfs Reichtum hatte eine Basis: Er besaß mehrere Silberbergwerke und war Münzmeister in Annaberg. Ein so wohlhabender Bürger wollte seinen Reichtum nutzen und leben wie ein Adliger. Nur gut ein Jahrzehnt konnte der Erbauer sich an seinem Schloss erfreuen. Nach dem Tode 1570 verkauften die Söhne das Gut wieder dem Kurfürsten. In den folgenden Jahrzehnte wohnte Oberlandesjägermeister Paul Gröbel im Schloss. 1615 erwarb dann Freiherr Dietrich von Taube das Schloss und Vorwerk. Der Oberhofmarschall, Kammerjunker und Oberstallmeister des Kurfürsten errichtete das Schloss 1616 so, wie es heute zu sehen ist.
Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Dörfer dieser Gegend erheblich geplündert und beschädigt; vom Schicksal des Schlosses ist nichts bekannt. 1661 muss es jedenfalls intakt gewesen sein, denn der Kurfürst stattete dem Freiherrn von Taube einen Besuch ab. 1667 erhob der Kaiser die Taubes in den Grafenstand.
1695 starb der letzte Graf von Taube ohne einen männlichen Erben. Das Gut fiel nun an eine andere Linie der Familie Taube. Der neue Besitzer, Freiherr Johann Georg II. von Taube (1654-1709), war schon 1683 bei der Befreiung Wiens im kursächsischen Dienst unter Feldmarschall von der Goltz hervorgetreten.
1819, nach über 200 Jahren, ging die Ära Taube zu Ende und mit ihr die Zeit der adligen Herren. In diesem Jahr verkaufte Klaus Moritz von Taube das Gut an Carl Hermann Hähnel, einem Fabrik-, Kauf- und Handelsherrn aus Schneeberg.
Der Besitz wurde immer mehr zerstückelt. Das verkleinerte Gut gehörte von 1913 bis 1931 Max Leubner, dann erfolgte die nächste Teilung: das Schloss kaufte 1934 die Gemeinde Klaffenbach, die Nebengebäude erwarb Oberförster Kurt Gramberg.
Ab 1935 bezog der Reichsarbeitsdienst die Gebäude. Nach dem Zweiten Weltkrieg quartierten sich sowjetische Soldaten sowie Umsiedler im Schloss ein. 1947 folgte dann das Mädchenheim des Jugendamtes Chemnitz. Daraus entwickelte sich der Jugendwerkhof für Mädchen, der bis 1989 das gesamte Areal nutzte.
Nach der Wende beschloss die Gemeinde Klaffenbach, die stark verwahrlosten Gebäude zu sanieren und umzubauen. Durch eine großzügige Rekonstruktion, die wesentlich durch Fördermittel der Europäischen Union ermöglicht worden war, gelang es in wenigen Jahren, Schloss und Nebengebäude zu einem touristischen und kulturellen Zentrum der Region auszubauen.
Beim Betreten der Anlage über die Würschnitzbrücke empfängt den Besucher eines der ungewöhnlichsten Bauwerke Sachsens. Durch das Torhaus aus dem 16. Jahrhundert mit Sandsteinbogen und Wendeltreppenturm erreicht man den dreieckigen Rittergutshof zu dessen rechter Hand sich das Schloss auf einer künstlichen Insel ausbreitet. Bewundernswert ist sein Schwung der Dächer in der Form zweier gekreuzter Kielbögen, der die konsequente Symmetrie des Gesamtbildes prägt. Nirgendwo sonst im Freistaat wurde diese Bauweise angewandt. Und als ob dies nicht genug wäre, fügte der unbekannte Baumeister neben den Hauptdächern auch noch kleine Eckgiebel mit der gleichen Dachform hinzu. So erhält der an sich quadratische Blockbau einen schwungvollen Abschluss nach oben. Im Gegensatz zu der belebten Dachform ist die weiß und gelb gestrichene Fassade relativ einfach gehalten und wird nur durch seine Rechteckfenster gegliedert. Erkerähnliche, sich über zwei Etagen erstreckende Anbauten geben ihm einen weiteren Reiz.
Über eine einfache dreibogige Brücke gelangt der Besucher zum Eingang des Schlosses. Im Inneren bietet sich nach der Restaurierung wieder das Raumbild des 16. und 17. Jahrhunderts. Im Erdgeschoss ist Barock- und Rokoko-Malerei aus der Mitte des 18. Jahrhunderts erhalten. Das 1. Obergeschoss schmücken klassizistische Wandfelder aus dem frühen 19. Jahrhundert. Aufgemalte Scheinarchitektur mit Säulen und Bogenöffnungen, durch die man in eine scheinbar grüne Landschaft blickt, beleben den Raum. Besonders schön ist das Fachwerk in der farblichen Gestaltung des frühen 17. Jahrhunderts im 2. Obergeschoss. Ornamentale Bemalungen der Holzdecke fügen sich harmonisch ein. Den Abschluss bildet das Dachgeschoss mit dem "Bürgersaal". Seine sichtbare Holzbalkenkonstruktion im Dachstuhl hinterlässt einen faszinierenden Raumeindruck.
Heute bietet das Wasserschloss Klaffenbach neben Trauungen auch wechselnde Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen sowie Seminarräume an. Darüber hinaus beherbergen die ehemaligen Wirtschaftsgebäude ein Schlosshotel, gastronomische Einrichtungen und eine "Künstlerkolonie".
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Wasserschloss Klaffenbach
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Torhaus
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Stand: 17.04.2011