Historisches Sachsen
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Beschreibung
In den kalten Januartagen des Jahre 1900 erlebte der kleine Ort Falkenstein im Vogtland eine besondere Ehre: König Albert von Sachsen weilte in der Stadt und verlieh den in Falkenstein und Dorfstadt ansässigen Linien der Familie Trützschler den Titel "von Trützschler Freiherren zum Falkenstein". Diese Ehre kam nicht von ungefähr, feierten die von Trützschler doch mit großer Anteilnahme der Bevölkerung das fünfhundertjährige Bestehen ihrer Herrschaft in Falkenstein.
Doch die Anfänge gehen viel weiter zurück. Falkenstein entstand im Zuge der Kolonisation durch die Vögte von Weida und Plauen um 1200 und sicherte zusammen mit den Burgen in Treuen, Auerbach und Schöneck das Rodefeld nach Norden und Osten. Die landesherrliche Feste Falkenstein wurde an die gleichnamigen Herren als Lehen ausgetan. Sie sind mit Johannes von Falkenstein 1267 im Gefolge des Vogtes Heinrich I. von Plauen urkundlich bezeugt.
Der steil ansteigende, markante Burgfelsen liegt im Zentrum des Ortes. Wegen des geringen Platzes auf dem Felsstock lässt sich als einziges größeres Gebäude ein 8 x 8 Meter messender quadratischer Turm nachweisen. Um die Burg bildete sich die heutige Stadt heraus.
Ende des 14. Jahrhunderts gelangte die Herrschaft Falkenstein in wettinischen Besitz. Gleichzeitig verlieren sich die Herren von Falkenstein in der weiteren Geschichte. So verpfändete Markgraf Wilhelm von Meißen 1400 Hans Trützschler, einem Mitglied des vogtländischen Uradels, das bereits im 13. Jahrhundert im Vogtland ansässig war, Burg und Herrschaft. Von diesem Zeitpunkt an erscheint die Familie vielfach in der Geschichte des Vogtlandes und wurde immer zu den bedeutendsten Vasallengeschlechtern des Landes gezählt. Gleichzeitig gestaltete die Familie den Ort im 15. Jahrhundert zu einer Stadt um, die 1448 das Stadt- und Marktrecht sowie 1469 eine Ratsverfassung erhielt. Anfang des 16. Jahrhunderts begann sich die Familie Trützschler zu verzweigen und wurde mit Hildebrand sowie seinen Vettern Georg und Wilhelm Stifter verschiedener Linien. Zur Grundherrschaft gehörten Güter und Vorwerke u.a. in Dorfstadt, Ellefeld, Falkenstein, Mühlberg und Oberlauterbach.
Bereits Anfang des 16. Jahrhunderts war die Burg Falkenstein verfallen. 1618 ließ Georg Abraham Trützschler deshalb die Reste abtragen. Unterhalb der Burg legten die Trützschler ein Rittergut mit Herrenhaus an, das schon 1566 nachgewiesen ist. Das heutige Schloss entstand um 1710/20 für Franz Oswald Trützschler. Eine Lithografie aus der Mitte des 19. Jahrhunderts zeigt einen neun Fensterachsen breiten, rechteckigen Bau, dessen Mittelrisalit sich über drei Geschosse erstreckte und der von einem einfachen Dreiecksgiebel bekrönt war. Den Abschluss bildete ein steiles mit Schiefer gedecktes Walmdach, auf dem ein Dachreiter mit offener Laterne und Zwiebelhaube saß. Über dem Eingang in der Mittelachse war ein Wappenrelief der Familien Trützschler und von der Planitz angebracht. Sein Monogramm bezieht sich auf Franz Oswald Trützschler und seine Ehefrau Christiane Polyxene Trützschler, geborene von der Planitz. Das Wappenrelief ist heute als Schlussstein in das Rundbogenportal des Schlosses eingelassen.
Die Familie Trützschler bekleidete in ihrer langen Geschichte bedeutende Positionen in Kirche, Verwaltung und im Militär. Eine herausragende Persönlichkeit war Wilhelm Adolph von Trützschler, der sich während der Deutsche Revolution von 1848/49 auf die Seite der liberalen und demokratischen Kräfte stellte. Die damit verbundenen Ereignisse waren Teil der bürgerlich-demokratischen und nationalen Einheits- und Unabhängigkeitserhebungen gegen die Restaurationsbestrebungen der in der Heiligen Allianz verbündeten Herrscherhäuser in weiten Teilen Mitteleuropas. Im Mai 1848 wurde Trützschler zum Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung gewählt. Als Teil der radikalen Linken forderte er die Abschaffung der Standesrechte des Adels und des besitzenden Bürgertums. 1849 trat er in den Dienst der badischen Revolutionsregierung, wurde nach der Niederschlagung der Revolution durch preußische Truppen jedoch gefangen genommen und in Mannheim standgerichtlich erschossen. Das Rittergut Falkenstein erbte sein minderjähriger, stets königstreuer Sohn Franz Oswald von Trützschler.
Ein großes Unglück ereilte die Stadt Falkenstein am 12. August 1859: Ein Stadtbrand vernichtete den gesamte Stadtkern mit allen Hauptgebäuden einschließlich des Schlosses. Doch das Schloss wurde unverzüglich wieder aufgebaut. Dabei veränderte man durch das Aufsetzen eines flachen Satteldaches anstelle des ehemals steilen Walmdaches die Dachgestalt. Die Giebel gestalteten die Architekten mit aus der englischen Tudorgotik entlehnten neugotischen Zinnenkränzen, während das neue Rundbogenportal in Renaissanceformen erschien.
Nach dem Tod von Franz Oswald Trützschler 1924 verkauften die beiden Erben das Schloss mit dem Burgfelsen und dem Rittergut an die Stadt Falkenstein. In das Schloss zog 1938 die städtische Sparkasse ein, die es heute noch nutzt. Im Dachgeschoss ist das Falkensteiner Heimatmuseum untergebracht. Der Burgfelsen kann bestiegen werden und bietet von der erhöhten Lage einen schönen Rundblick auf Schloss und Kirche.
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Schloss Falkenstein
Burgfelsen
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Stand: 23.11.2014