Historisches Sachsen
Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen
Freistaat SachsenSchlösser & BurgenTagestourenSucheEllefeld   
Allgemeines
Informationen

DVD "Schlösser & Burgen in Sachsen"

Empfehlung

Beschreibung
In Ellefeld, einer Gemeinde im östlichen Teil des sächsischen Vogtlandes, vereinigt sich die Rote mit der Weißen Göltzsch zur Göltzsch. Nahe am Zusammenfluss, am nördlichen Ortsausgang, steht ein herrschaftliches Gebäude, das wie ein Schloss aussieht. Das sogenannte "Untere Schloss" war das Herrenhaus eines um 1460 gegründeten Hammer- und Messingwerkes. Ein Rittergut war mit ihm jedoch nie verbunden gewesen.
Besitzer des Hammergutes war über viele Jahre Veit Hans Schnorr (1644-1715), der als zweite Sohn des Auer Hammerherren und Farbmühlenbesitzers Veit Hans Schnorr d. Ä. 1665 das väterliche Blaufarbenwerk Niederpfannenstiel und den Auerhammer von seinen Miterben übernahm. Zu seinem Besitz gehörten ebenfalls die Hammerwerke Carlsfeld und Schwefelhütte. Neben Eisenverhüttungsanlagen besaß er auch erhebliche Anteile an den regionalen Bergwerken. Darüber hinaus lieferte die "Weißerdenzeche St. Andreas" in Aue das Kaolin, das als wichtiger Rohstoff für die Porzellanherstellung in Sachsen von Bedeutung war. Auf Grund seiner Verdienste wurde Schnorr von Kaiser Leopold I. am 4. April 1687 unter dem Namen "Schnorr von Carolsfeld" in den Reichsadelsstand erhoben.
Das schlossartige Gebäude in Ellefeld ließen jedoch erst die Töchter des ehemaligen Hammerwerkbesitzers Veit Hans Schnorr von Carolsfeld 1734 erbauen. Im Giebel über dem Hauseingang ist ein Familienwappen mit der entsprechenden Jahreszahl angebracht. Das 1992/93 restaurierte "Untere Schloss" befindet sich heute in Privatbesitz.
Neben dem Hammergut gab es in Ellefeld aber auch zwei Rittergüter, die aus einer Erbteilung der nahen Herrschaft Falkenstein hervorgingen. Sie waren eng verbunden mit der reich begüterten Familie von Trützschler, einem vogtländischen Uradelsgeschlecht, das bereits im 13. Jahrhundert hier ansässig war. 1511 wurde Ellefeld als selbstständiger Herrschaftssitz vom Gesamtbesitz der Trützschler auf Falkenstein abgetrennt. Georg Trützschler einigte sich 1549 mit den Söhnen seines Bruders Wilhelm auf die Teilung der bisher gemeinschaftlich verwalteten Güter: Georg erhielt Falkenstein und Dorfstadt; seine Neffen Michael, Georg und Caspar Ellefeld. Wenige Jahre später nahmen die beiden Brüder Michael und Georg eine erneute Teilung vor, in deren Ergebnis neben dem Rittergut Ellefeld auch noch das selbstständige Rittergut Mühlberg entstand. Dieses Gut erwarb jedoch 1626 Georg Abraham Trützschler auf Oberlauterbach, Falkenstein und Dorfstadt, so dass es nicht mehr eigenständig war. Das Gut wurde fortan mit dem Rittergut Falkenstein vererbt. Heute ist das am Hang des Mühlberges gelegene Gut nicht mehr existent.
Mit der Selbstständigkeit des Rittergutes Ellefeld war es auch erforderlich geworden, ein entsprechend repräsentatives Herrenhaus zu errichten. Das als "Oberes Schloss" bezeichnete Gebäude entstand 1710 in einfacher barocker Gestalt. Sein rechteckiger Grundriss ließ Platz für zwei Etagen mit jeweils fünf Fensterachsen. Die schlichte, hellgelbe Fassade gliedern dunklere aufgemalte Lisenen- und Gesimsstreifen. Über den mit einem Granitgewände eingefassten Hauseingang betritt der Besucher zunächst einen geräumigen Flur, von dem seitlich das Treppenhaus abzweigt. Im Obergeschoss sind die Trennwände in Fachwerkskonstruktion errichtet. Interessant ist die Kaminführung auf dem Dachboden. Hier werden vier Kaminzüge zu zwei Schornsteinen zusammengeführt.
Die Ellefelder Linie der Trützschler erlosch erst mit dem Tod des Oberforstmeisters Franz Johann Christoph von Trützschler, der 1816 kinderlos verstarb. Der sächsische König ließ das Rittergut als erledigtes Lehen einziehen und in ein Königlich Sächsisches Kammergut umwandeln. Zunächst diente das "Obere Schloss" über viele Jahre als Forsthaus. Sein Umbau zu einem bis 1994 genutzten Wohnhaus fiel zusammen mit dem Verkauf des Grundstückes an die Gemeinde Ellefeld. Nach 1994 stand das Gebäude bis zu seiner denkmalgerechten Sanierung in den Jahren 2009 bis 2011 leer. Heute betreibt die Gemeinde Ellefeld in ihrem Schmuckstück eine Heimatstube.
X X X X X X X X X X Historisches Sachsen - Das Portal für die Schlösser, Burgen und historischen Ruinen im Freistaat Sachsen - © by Heyko Dehn - www.historisches-sachsen.net X X X X X X X X X X
Bildergalerie
Herrenhaus des Hammergutes
Herrenhaus des Rittergutes
Im Herrenhaus
Kaminzüge
www.historisches-sachsen.net
Stand: 30.11.2014