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Beschreibung
Noch heute scheint von dem Schloss hoch über der Müglitz an der Straße zwischen Dresden und Altenberg ein mystischer Eindruck auszugehen, verstecken sich seine weißen Gebäude doch hinter hohen dunklen Bäumen und geben nur wenig von seinem Antlitz frei. Erst die schmale Straße bis an den Schlosshof eröffnet einen Blick auf seine Schönheit.
Südlich von Pirna, auf dem Weg an die Grenze zur Tschechischen Republik, befindet sich der kleine Ort Bärenstein mit seinem wuchtigen weißen Schloss unweit des Zentrums. Der Bauplatz ist gut gewählt: auf einer felsigen Spornspitze fällt das Plateau steil gegen das Müglitztal ab. Der älteste Burgzugang befand sich nicht auf der heutigen Zufahrtsstraße von der Stadt aus, sondern wand sich ostwärtig vom Tal hinauf zum jetzigen Schloss und erreichte dieses an seiner Nordwestseite. Auf der östlichen Felsnase war der Burg ein Wartturm vorgelagert, auf dessen Fundamenten später eine neuzeitliche Aussichtsplattform entstand.
Die Geschichte der alten Burg liegt weitgehend im Dunkeln. Wissenschaftliche Bauuntersuchungen sind noch nie durchgeführt worden und auch der Urkundenbefund ist lückenhaft. Deshalb schwanken die Spekulationen zur Burggründung zwischen dem frühen 13. und dem 15. Jahrhundert.
Wahrscheinlich verdankt das Schloss Bärenstein in seiner beherrschenden Lage über dem Müglitztal seine Entstehung dem Zinnbergbau am Geisingberg, der es den Herren von Bernstein - einem wohl schon im 11. Jahrhundert hier existierenden Geschlecht - ermöglichte, die ursprüngliche Burganlage zu erbauen. Von hieraus begann auch die Besiedlung des oberen Erzgebirges und die Erschließung des Bergbaus. So konnten die Herren von Bernstein im Laufe der Zeit ihren ursprünglich recht bescheidenen Rittersitz weiter ausbauen. Das Geschlecht gelangte im 13. bis 15. Jahrhundert zu einer besonderen Bedeutung durch seine zahlreichen Besitzungen.
In der Folgezeit wechselten häufig die Nutzer. Nach dem Tode von Dam von Bärenstein, 1638, fielen die Besitzungen unter Sequestration, bis sie 1675 Siegfried von Lüttichau ersteigerte. Weitere Eigentümer von Schloss Bärenstein waren die Herren von Schönberg (1699-1711), von Holtzendorf (1711-95), die Gräfin von Bünau (1795-1816) und bis zur Enteignung im Jahre 1945 die Familie von Lüttichau.
Das Schlossinventar wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geplündert oder an Bedürftige verteilt. Zunächst nutzte der Rat des Bezirkes das Schloss als Ferien- und Erholungsheim. 1952 übernahm es die NDPD. Mit der politischen Wende in der DDR kam auch das Aus für das Schloss. Zahlreiche Interessenten gaben sich die Klinke in die Hand, doch nichts führte zu einem tragfähigen Abschluss. Erst seit 1995 ist das Anwesen im Privatbesitz von Dr. Georg Thaler, der das Schloss und den Schlosspark wieder hergerichtet hat.
Ebenso wie die Geschichte des Schlosses gibt auch sein historisches Aussehen Anlass zu weiteren Spekulationen. Die Umbauten des 15. bis 19. Jahrhunderts haben die ursprüngliche Form gründlich verwischt, so dass nur noch aus den Gebäudefundamenten und Aufmessungen Annahmen zum einstigen Aussehen abgeleitet werden können. Rückschlüsse auf eine früher zweikernige Burg lassen sich wohl aus verfüllten Grabenresten und Steinablagerungen am Hang zum Müglitztal ziehen. Im Norden könnte ein turmartiges Gebäude gestanden haben, dass sich heute noch in den Fundamenten des Nordflügels abzeichnet. Der heutige Schlossturm des Südflügels könnte den südlichen Burgkern ausgemacht haben. Beide Kerne sind wohl durch den Bau des Verbindungsflügels über den Graben miteinander verbunden worden.
Über dem Haupteingang im Hof prangt das Wappen der Familie von Lüttichau, das zwei Sicheln mit drei schwarzen Federn zeigt. Im Innern führt ein 1913 angelegter Treppenaufgang von der unteren Eingangshalle und der neuen oberen Eingangshalle zum Speisesaal. Der Saal besaß eine bemalte Holzbalkendecke aus dem frühen 16. Jahrhundert und war mit wertvollem Mobiliar, Gemälden und Geweihen ausgestattet. Gemälde im Herrensalon zeigen Major a. D. Hannibal von Lüttichau und den königlichen Kammerherrn und Rittmeister Hannibal Paul Siegfried von Lüttichau. Vom Turmsalon hatte man Zugang zum Turmzimmer und den Ausgang in den Garten.
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Bildergalerie
Schloss Bärenstein
Nordflügel mit Treppenturm
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Stand: 24.01.2011